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Abwärts

Autor Reference: 
Informationen: 

The Vortex

Stück in drei Akten von Noël Coward

(Abwärts)

Deutsch von Klaus Chatten

 

PERSONEN: 

  • HELEN SAVILLE
  • CLARA HIBBERT
  • FLORENCE LANCASTER
  • NICKY LANCASTER
  • DAVID LANCASTER
  • BUNTY MAINWARING
  • PAUNCEFORT QUENTIN
  • TOM VERYAN
  • BRUCE FAIRLIGHT
  • PRESTON.

 

AUSZUG:

(FLORENCE, HELEN)

FLORENCE  Ich hänge so an David. Ich würde alles für ihn tun, alles in der Welt. Aber er ist alt geworden und ich bin jung geblieben. Das bringt eben alles durcheinander. Ich kann doch nichts für mein Temperament, oder?

HELEN  Temperament... Nein.

FLORENCE  David hat mich immer geliebt und nie begriffen. Du musst verstehen, bei mir kommen eben so vollständig unterschiedliche Dinge zusammen. Ich habe soviele Facetten. Ich liebe es, zu Hause zu sein, die Angelegenheiten im Haus zu delegieren und mich um David und Nicky zu kümmern...

HELEN  Das hast du ehrlich gesagt nie sonderlich übertrieben.

FLORENCE  Nun gut, Nicky ist seit ewigen Zeiten weg. Davon abgesehen hat man die gesellschaftliche Verpflichtung, in der Spielzeit in London zu sein. Niemand kann von mir erwarten, dass ich mich auf dem Land vergrabe. Ich bin ja praktisch den ganzen Frühling und Sommer über da.

(...)

Synopsis: 

Noël Cowards Drama The Vortex (deutscher Titel: Abwärts) war das Londoner Stadtgespräch, als es 1924 herauskam, ein Sex- und Sensations-Schocker der ersten Ordnung. Man war fasziniert, mit welcher Lässigkeit hier die britische (Nachkriegs-)Gesellschaft geschildert und mit welchem Mut die Beziehungen zwischen den Geschlechtern vorgeführt wurden. Es wurde weniger gesprochen, denn gezeigt, und weniger gezeigt als angedeutet, und alles zusammen erregte das Theaterpublikum, und machte die Gespräche darüber im Salon und im Bett fiebrig.

Es war das erste bemerkenswerte Stück eines jungen Autors – gerade 24 Jahre alt –, der sich obendrein noch eine der beiden Hauptrollen gesichert hatte, die des jungen NICK LANCASTER, Klavierklimperer, Kokainschnupfer, latent homosexuell. "NICKY", die Bühnenfigur, wurde bald mit ihrem Autor gleichgesetzt, beide ähnlich im Auftreten und gleich in Witz und Frechheit. Selbstverständlich gab es auch gravierende Unterschiede zwischen Rolle und Leben. Noël Coward war klug genug, sie nicht publik zu machen.

Jedenfalls: The Vortex scheint zwei Akte lang "nur" eine Gesellschaftskomödie zu sein – mit Paaren, die nicht zusammengehören und einem nachsichtigen Ehemann und Vater, der alles geduldig erträgt und alles für die üblichen Verwirrungen und Verirrungen der Herzen nimmt. Dann kommt jedoch der dritte Akt und hier setzt sich nun "NICKY" mit seiner Mutter FLORENCE LANCASTER auseinander, wie man es seit Hamlet nicht mehr auf der Bühne erlebt hatte. Das Gespräch zwischen ihm und ihr ist eher ein Disput zwischen verfeindeten Liebenden denn ein Streit zwischen einer Mutter und ihrem Sohn.

Bezeichnenderweise findet die Auseinandersetzung in ihrem Schlafzimmer statt.  Florence Lancaster ist allerdings auch keine Mutter aus einem gemütvollen Familiendrama. Sie ist Societydame und sonst nichts. Als junges Mädchen war sie eine strahlende Schönheit, eine "Blüte der Gesellschaft"; jetzt besteht ihr einziger Lebensinhalt darin, sich gegen das Älterwerden zu sträuben. Dazu dienen ihr vorwiegend junge Männer. Ihr jetziger Liebhaber ist so alt wie ihr Sohn, und als er bereits im zweiten Akt zu Nicks munterer Braut "BUNTY" überläuft, ist das nicht mehr als recht und billig.

Das Bemerkenswerteste an dem Stück: Es ist heute noch genau so aktuell wie 1924. Man muss nichts ändern, nichts steigern, nichts weglassen, nichts hinzufügen – es funktioniert so, wie es ist. Mütter, die für ihr Kind und ihren Mann weniger übrig haben als für ihre Vergnügungen, gibt es heute wie damals und illusionslose, nach Halt und Liebe suchende junge Leute ebenfalls. Selbst das gesellschaftliche Getue und das Partygeschwätz, das Noël Coward festgehalten hat, hat weder Inhalt noch Form verändert.  

Damals sagte James Agate, in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen Englands bedeutendster Theaterkritiker über Noël Coward und The Vortex: "Here is a piece which is the dernier cri in the theatrical mode, un peu shocking perhaps, but no less popular on that account.." Terence Rattigan, einer von Englands populärsten Dramatikern, urteilte über Noël Coward und seine Arbeit: "He is simply a phenomenon, and one that is unlikely to occur ever again in theatre history."

Es ist kein Zufall, dass The Vortex 2007, 2008 gleich in zwei großen Londoner Theatern gespielt wurde.

Presse: 
  • The Telegraph, London 2008:
    "(...) This is an evening that memorably moves from cocktails and laughter to the rawest of drama."
  • The Compulsive Reader:
    "The Vortex is an infuriating, interesting and ultimately a rewarding play. It is the play of a young man – Noël Coward was in his twenties when he wrote it – but it set the template for much of the mature work: his characters are camp and carnivorous by turns, and it is impossible to extricate these strands from each other." 
  • The British Theatre Guide:
    "(...) one of Noel Coward's more serious plays, one that sometimes sears like something by Tennessee Williams."
  • The Telegraph, London 2008:
    "One of the mysterious things about Noël Coward, and one of the sure indications that he is a great writer, is that he constantly takes you by surprise. You think of him as an urbane boulevardier, but repeatedly in his work he suddenly comes over as a stern finger-wagging moralist. You think that he played safe, and observed the dramatic pieties of his times, only to discover that he could also be daringly experimental … You think of him as the writer of comic songs, only to remember that many of his best numbers superbly capture the turbulence of love and the tumescence of desire." 
  • The Guardian, 2002:
    "After all, its heroine, Florence Lancaster, is an ageing butterfly who cavorts with a young lover under her husband's nose. Her son Nicky, returning from a debauched year in Paris, is a febrile neurotic with a severe coke habit. And in the no-holds-barred final act the Oedipally jealous son confronts his vain, self-deluding mother with the truth about themselves and the fact that they are jointly trapped in ›a vortex of beastliness"." 
     

 

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