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Akt mit Geige

Autor Reference: 
Informationen: 

Nude with Violin

Lustspiel in drei Akten von Noël Coward

(Akt mit Geige)

Deutsch von Klaus Chatten

 

PERSONEN:

  • MARIE-CELESTE
  • ISOBEL SORODIN
  • JANE
  • PAMELA
  • ANYA PAVLIKOV
  • CHERRY-MAY WATERTON
  • SEBASTIEN
  • CLINTON PREMINGER JR
  • COLIN
  • JACOB FRIEDLAND
  • FABRICE
  • OBADIAH LEWELLYN
  • GEORGE
  • LAUDERDALE

Das Stück spielt in Paul Sorodins Wohnung in Paris.

 

AUSZUG:

(CLINTON, SEBASTIEN)

CLINTON (schließt seine Akte)  Das sind die aktuellen Aufzeichnungen, die ich bis jetzt über Sie habe.

SEBASTIEN  So weit sehr gründlich recherchiert.

CLINTON (ernst)  Ich möchte, dass Sie wissen, dass ich Sie durch meinen Vortrag nicht in Verlegenheit bringen wollte.

SEBASTIEN  Vielen Dank. Das haben Sie nicht.

CLINTON  Ich lehne jegliche Moralisiererei ab. Ein Leben will einfach nur gelebt werden, stimmt´s?

SEBASTIEN  Schwer zu sagen, was man damit sonst anfangen sollte.

CLINTON  Ich persönlich bin vollkommen komplexfrei. Ich habe in Yale einen Kurs in Psychologie belegt.

SEBASTIEN  Das erklärt manches.

CLINTON  Die ganzen großen Tiere habe ich vor der Flinte gehabt: Jung, Freud, Adler, Kinsey.

SEBASTIEN  Meines Wissens nach hatte Herr Kinsey tatsächlich einen starken Hang für die tierhaften Aspekte des Lebens. Ja.

(...)

Synopsis: 

In dieser schwungvollen Noel Coward-Komödie geht es um falsche Gefühle und hoch bezahlte Kunst, ebenfalls falsch. Der große Maler PAUL SORODIN ist tot. Seine Familie und JACOB FRIEDLAND, der Kunsthändler, der ihn entdeckte und großartig vermarktete, sind entsetzt. Weniger über den Tod des Meisters; das auch. Zum Glück hat er jedoch genug hinterlassen, das man verscherbeln kann. Wahrscheinlich werden die Preise bei den zu erwartenden Nachrufen und posthumen Ehrungen sogar anziehen, was etwas tröstet. Nein, das Entsetzen rührt aus einem anderen Grund: Man findet kein Testament.

Dafür hinterließ Paul Sorodin seinem hinterhältigen Diener SEBASTIEN einen Brief, in dem steht, dass nicht eines der überaus geschätzten Meisterwerke in den großen Galerien der Welt von ihm stammt. Sie wurden – in den verschiedenen "Perioden" – von einem russischen Flittchen, einer Ex-Bartänzerin, einem jamaikanischen Sektenanhänger und einem vierzehnjährigen behinderten Jungen gemalt. Wie immer gilt auch hier der Satz: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Und das ist ohne Zweifel Sorodin. Diejenigen, die das Geheimnis kennen, werden zahlen, damit sein Ruf nicht beschädigt wird und kein Schatten auf sein Werk fällt. Es steht zu viel auf dem Spiel.

Das Stück spielt 1954 in Paris und das nicht zufällig. Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Paris das Zentrum der Malerei. Wer auf sich hielt, schwang hier den Pinsel. Nacheinander wurden hier der Fauvismus (von Les fauves – die Wilden), der Kubismus (berühmtester Vertreter: Picasso), der Dadaismus (Oberhäuptling Duchamp) und der Tachismus kreiiert.

Wobei die Stilrichtung Tachismus (von "tache", auf deutsch: Farbfleck) besonders erfolgreich war. Die Tachisten trugen spontan und ohne rationale Kontrolle Farbflecken auf die Leinwand auf, um sich vom Unbewussten lenken zu lassen. Und dann erst der Surrealismus! Die Maler dieser Richtung stellten eine irreale Welt dar, mit dem Ziel, die reale Existenz des Unbewussten auszudrücken. Die Themen wurden mit Hilfe von komplizierten Assoziationen gefunden: Träume, Alpträume, Phantasien, Visionen ... Auch widersprüchliche Realitäten wurden herangezogen: Festes zerfließt, Schweres schwebt, Lebendiges fault ... Könige des Surrealisten: Chagall und Dalí.  

Wenn das alles so ist, steht der bürgerliche Mensch kopfschüttelnd davor, macht sich seine Gedanken und wünscht sich Bilder wie ehedem: Bilder, auf denen er und seinesgleichen mit strengen Blick den Betrachter prüfend ansehen. Und wenn das nicht möglich ist, dann wenigstens Bilder, auf denen man etwas erkennen kann. Kunstkritiker und Kunsthändler sind in dieser Epoche die Hohepriester von Kunst und Malerei. Sie können (scheinbar) nach Belieben deuten und verkaufen. Und die Scharlatane natürlich auch.

So gesehen, war Akt mit Geige hochaktuelle Zeitkritik; Noël Coward traf unbestritten einen Nerv. Heute, wo die großen Namen dieser Epoche nicht mehr umstritten sind, und die kleinen vergessen, wo sich die Gemüter sozusagen beruhigt haben, muss man sich bei der Aufführung des Stücks an anderes halten: an die Komik des Geschehens und an die gelungenen Charaktere.

Gerissene Kunsthändler gab es, gibt es und wird es immer geben. Verwandte, die sich zu Lebzeiten des teuren Toten herzlich wenig um ihn gekümmert haben und nun endlich erben wollen, ebenfalls.  Man kann sich auf Cowards Figuren und seine wundervollen Dialoge verlassen. Was zwischen den Personen an Spitzen, Gehässigkeiten und alltäglichen Albernheiten hin und her geht, ist sozusagen zeitlos; da kann gemalt werden, was will.

Noël Coward hat im Atelier des Dahingeschiedenen eine Trauergemeinde versammelt, die aus dem Rahmen des Üblichen herausfällt und doch nicht fremd wirkt. Es treten auf: Die seit sechsundzwanzig Jahren von ihrem Mann getrennt lebende, respektable Witwe Isabel Sorodin mit ihrem religiösen Spleen. Sie muss dem Publikum klar machen, warum Sorodin sie geliebt hat, warum er sie verließ und wer sie wirklich ist. Dann gibt es die nüchtern und gefasst auftretende, auf sympathische Weise kluge Tochter JANE, die ihren Vater zum letzten Mal gesehen hat, als sie drei war. Nun versucht sie herauszufinden, wer er war und wer sie ist.

Weiterhin wirken mit: Major COLIN SORODIN, Sohn und Militär, wie ihn nur ein Noël Coward bieten konnte (Cowards Anmerkung dazu: "A fun role if you like to be pompous and arrogant.") und dessen kreuzbrave, ihn anhimmelnden Ehefrau PAMELA. Außerdem im Spiel: Der schon erwähnte Kunsthändler Jacob Friedland, Entdecker, Förderer und Nutznießer von Sorodins Kunst, und Sébastien, Diener, Sprachgenie und Freund der Familie. Sébastien hat eine Vergangenheit mit vielen Undurchsichtigkeiten hinter sich. Bezeichnenderweise setzt er die Komödie in Gang, als er den bewussten Brief hervorzieht, der ein so schlechtes Bild auf Sorodin und die moderne Kunst wirft.  

Dazu wimmeln die üblichen Kriegsgewinnler herum: Ex-Musen – eine heißblütige russische Prinzessin (?) mit vulgären Zügen namens ANYA PAVLIKOV und die schrille "Mäzenin" CHERRY-MAY WATERTON – und natürlich die eigentlichen Schöpfer des Sorodin’schen Werkes, die endlich Kasse machen wollen. Außerdem machen sich hemmungslose Vertreter der Boulevardpresse breit. Sie wittern Aasgeruch. Und dann gibt es noch MARIE-CELESTE: Sorodins Hausmädchen. Sie hat nur einen kleinen Part, tritt auf und ab und spricht ausschließlich französisch.  

Presse: 
  • What's on Stage, Jane O'Hara:
     
    "It's a great comedy that will make you laugh, and leave you smiling for a long time after."  
  • www.Cecil.Edu:
    "Featuring Noel Coward’s wonderful plotting and sterling dialogue, Nude with Violin is a concert of laughs." 
  • The Guardian:
    "Good entertainment" 
     

 

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