Bahnhofsgespräche & Furnierte Eiche
Still Life & Fumed Oak
aus "Tonight at 8:30"
von Noël Coward (Bahnhofsgespräche & Furnierte Eiche)
Deutsch von Klaus Chatten
PERSONEN:
(Bahnhofsgespräche):
- LAURA JESSON
- MYRTLE BAGOT
- BERYL WATERS
- STANLEY
- ALBERT GODBY
- ALEC HARVEY
- EIN JUNGER MANN
- JOHNNIE
- MILDRED
- DOLLY MESSITERS
PERSONEN:
(Furnierte Eiche):
- HENRY GOW
- DORIS, seine Frau
- ELSIE, seine Tochter
- MRS. ROCKETT, seine Schwiegermutter
Bahnhofsgespräche (Still Live), ein Stück in 5 Szenen, dauert etwa eine halbe Stunde und besteht im Wesentlichen aus verbotener Liebe und schmerzlichen Gefühlen.
Der Inhalt: LAURA JESSON ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie ist eine ganz normale Hausfrau, die einmal in der Woche in die Stadt fährt, um einzukaufen und ins Kino zu gehen. Bei einer dieser Fahrten lernt sie im Wartesaal des Bahnhofs den Arzt Dr. ALEC HARVEY kennen. Auch er ist verheiratet und hat ebenfalls Kinder. Beide treffen sich nun regelmäßig einmal in der Woche im Wartesaal, trinken Tee und reden miteinander. Sie spüren, dass sie füreinander bestimmt sind, aber wagen sich das nicht einzugestehen.
Die Liebenden werden von zwei anderen Paaren beobachtet, von MYRTLE, die das Bahnhofsrestaurant schmeißt, und ihrem Stationsvorstand ALBERT und der jungen Kellnerin BERYL, die gern etwas mit dem ›Shopboy‹ STANLEY hätte. Für sie sind Laura Jesson und Dr. Alec nur Romeo und Julia. Selbst sie erkennen, dass die schüchternen Versuche der Liebenden, zusammen zu kommen, zu nichts führen. Als auch denen klar wird, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat, wenn sie ihre Familien nicht zerstören wollen, entschließen sie sich zur Trennung. Ein letztes Mal treffen sie sich am Bahnhof. Doch sie werden von einer geschwätzigen Freundin gestört, kommen also nicht einmal dazu, die richtigen Abschiedsworte zu sagen. Vielleicht ist auch schon alles gesagt. Schon vorherflüstertLaura: »I want to die! If only I could die!« Alec erwidert darauf in Coward-Manier, ebenso überraschend wie egoistisch:»If you died, you'd forget me. I want to be remembered.«
Die Geschichte wurde 1945 unter dem Titel Brief Encounter vom Meister-Regisseur David Lean verfilmt und gilt heute als ein Juwel der Filmkunst; Drehbuch: Coward und David Lean.
Fumed Oak (Furnierte Eiche) – sozusagen die allererste Fassung seines großen Stückes Happy Breed. HENRY GOW, der Held der Geschichte, ist ein geduldiger, freundlicher, einigermaßen verdienender Ernährer einer Mittelstandsfamilie. Er hat die Launen seiner dominierenden Frau (›a hurrican wife‹), ihrer gehässigen Mutter und seiner hochnäsigen siebzehnjährigen Tochter auszuhalten. Am Ende befreit er sich durch einen wohlüberlegten Abschied aus dem trauten Heim, das vollgestellt ist mit ›furnierter Eiche‹, wie der deutsche Fachausdruck dafür lautet. Im Englischen eben: Fumed oak. Seine Abschiedsworte zu seiner sich selbst bemitleidenden Familie: »I'm taking a last look at you. It's a dream come true.«
(Nach allen Kritiken wurde dieser Henry Gow von Noël Coward erstaunlich überzeugend verkörpert – wahrscheinlich hatte er seinen eigenen Vater vor Augen, der beim Verkauf von Klavieren gescheitert war. Auch die übrigen Figuren entsprechen seinen Verwandten.)
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