Bank of India
Cochons d'Inde
von Sébastien Thiéry
(Bank of India)
Deutsch von Folke Braband
PERSONEN:
- DER KUNDE
- DER SCHALTERBEAMTE
- DIE DAME
- BRIGITTE
- DIE MUTTER
- DER INDER
AUSZUG:
(Der KUNDE, der SCHALTERBEAMTE)
Der KUNDE Ich möchte bitte den Direktor sprechen!
Der SCHALTERBEAMTE Welchen Direktor?
Der KUNDE Machen Sie das absichtlich? Rufen Sie mir Monsieur Bertrand, den Bankdirektor!
Der SCHALTERBEAMTE Monsieur Bertrand arbeitet hier nicht mehr.
Der KUNDE Wie? Nicht mehr?
Der SCHALTERBEAMTE Nein.
Der KUNDE Aha, gut… Dann holen Sie mir seinen Stellvertreter.
Der SCHALTERBEAMTE Es gibt keinen Stellvertreter.
Der KUNDE Wie? Es gibt keinen Stellvertreter. Aber es gibt schon einen neuen Direktor?
Der SCHALTERBEAMTE Nein.
Der KUNDE Wer führt dann die Bank?
Der SCHALTERBEAMTE Eine Gruppe.
Der KUNDE Eine Gruppe? Was soll das heißen, eine Gruppe?
Der SCHALTERBEAMTE Eine Gruppe heißt, eine Gruppe.
Der KUNDE Gut, hören Sie… wir zwei kommen hier nicht weiter, oder? Sie sind sehr freundlich, aber… wir beide kommen einfach nicht voran. Könnte ich bitte mit jemand anderem sprechen?
Der SCHALTERBEAMTE Mit wem?
Der KUNDE Ja, was weiß ich… Mit irgendwem! Ein Verantwortlicher… oder einer von ihren Kollegen. Kann von mir aus auch die Putzfrau sein wenn Sie wollen! Aber ich möchte mit jemand anderen sprechen als Ihnen, ist das klar?
Der SCHALTERBEAMTE Jetzt?
Der KUNDE Soweit es möglich ist, ja!
Der SCHALTERBEAMTE Es ist nicht möglich.
(...)
Bank of India hat dem "Prix Molière 2009" in der Kategorie "Beste Komödie" bekommen.
Alain Kraft kommt in seine Bank, um Geld abzuheben. Sein Konto ist jedoch gesperrt. Die neue Direktion der Bank of India wirft ihm vor, das indische Gesetz verletzt zu haben, indem er die Kaste gewechselt hat. Sein beruflicher und finanzieller Erfolg, auf den er durchaus stolz ist, wird in Indien als Vergehen angesehen. Sein anfängliches Selbstbewusstsein weicht panischer Angst, als er bemerkt, dass er ein Gefangener seiner Bank ist, in der Falle eines Systems, dessen Spielregeln ihm entgleiten. Er versucht alles zu tun, um aus diesem Albtraum herauszukommen.
- Le Parisien, 08.02.09:
"Originell, komisch und durch und durch kafkaesk!" - Le Figaro, 24.01.09:
"Sie kommen in eine Bank, wollen Geld abheben...alles scheint normal aber nichts ist normal und sie kippen in ein Szenario à la Kafka: für Sie fürchterlich und für den Zuschauer fürchterlich komisch." - Le Nouvel Observateur, 10.02.09:
"Wenn der Philosoph Alain Recht hat mit der These, dass ein Verrückter ein Mensch ist, der alles glaubt, was ihm durch den Kopf geht, dann ist der Wahnsinn von Sébastien Thiéry ansteckend. Während der Vorstellung glaubt man auch felsenfest an diese Absurdität, da sie in uns die Angst vor der Globalisierung schürt."
« zurück zur Übersicht


