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Cadeau Claque - von allen guten Geistern verlassen

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Cadeau Claque - Von Allen Guten Geistern Verlassen

Komödie von Daniel Call

PERSONEN:

  • NORA BEMEL (Klarinettistin)
  • FIONA FÖRSTER (Noras Mutter, eine "große“ Aktrice)
  • Dr. JUSTUS BEMEL (Oberstudienrat, Noras Mann)
  • JACQUES DE LA SEMAINE (Fionas Hausfreund französischer Herkunft)
  • ANTON BEMEL (ein Pensionär und Erfinder, etwas abständig, Justus’ Vater)


AUSZUG:

(NORA, ANTON)

NORA  Und mit diesem Körpertauschomaten kann man--- was genau machen?

ANTON  Körper tauschen.

NORA  Natürlich.

ANTON  Genau genommen dient er zur Seelenwanderung.

NORA  Logisch.

ANTON  Durch die beidseitigen Einführungsnippel werden die Seelen ins Innere des Geräts transferiert und per Ausgangsmodul wieder - - - ausgespotzt.

NORA  Praktisch.

ANTON  Auf diese Weise kann man problemlos seine Hülle verlassen und in die eines anderen wandern, während die eigene wiederum dem dann zur Verfügung steht.

NORA  Wem?

ANTON  Dem anderen.

NORA  Selbstverständlich.

ANTON  Funktioniert im Grunde nicht viel anders als ein Radio, wobei man hier Sender und Empfänger zugleich ist.

NORA  Klar.

ANTON  Da sind dann noch ein paar Windungen eingebaut, und so ein Rückkopplungsventil-

NORA  Klar wie Kloßbrühe.

ANTON  Der Rest ist technischer Schnickschnack. Vielleicht noch interessant zu erwähnen, dass die im Inneren befindliche Integrallinse haargenau so arbeitet wie ein Röntgenstrahl.

(...)

(NORA, FIONA)

FIONA  Du tust gerade so, als sei Deine Mutter eine schwere Trinkerin.

NORA  Ich würde es nicht wagen, Dich als schwer zu bezeichnen.

FIONA  Witzig. Pass bloß auf, dass Du nicht zu verbissen wirst. Eine Frau muss fröhlich sein und lachen. Immer gute Miene machen zum bösen Spiel.

NORA  Klingt wie aus einem Lehrbuch für Prostituierte.

FIONA  Witzig. Wirklich, wirklich witzig. Schlagfertig war sie immer schon. Als Kind stets die Klassenbeste. Ich war das krasse Gegenteil. Das schillernde Schlusslicht. Dafür war ich aber die Beliebteste. Und Schönheitskönigin. Wie sehr hätte ich meiner klugen Nora auch diese Erfahrung gegönnt- aber da haben denn doch die Gene des Vaters zugeschlagen. Nur bei den Beinen nicht. Sehen Sie sich diese Beine an. Dreh Dich doch mal rum, Kindchen.

NORA  Wir sind hier nicht auf dem Rindermarkt, Mutter.

(...)

Synopsis: 

NORA, benannt nach Ibsens Nora, wohnt mit ihrem Mann, dem etwas graumäusigen Studienrat Dr. JULIUS BEMEL, in der Gründerzeitvilla ihres Schwiegervaters ANTON, der sich im Dachgeschoß ein Hobbylabor eingerichtet hat und dort an bedeutenden Erfindungen bastelt. Ihre Mutter FIONA, ein Zugvogel, hat sie alleine erzogen und sich hauptsächlich ihrer Karriere als Bühnendiva gewidmet.

Jetzt lebt sie in einem noblen Seniorenstift für Künstler und inszeniert dort Seniorenspiele - von Faust über Hamlet alles was gut und teuer ist. Fiona hat ihrer Tochter Nora nie verziehen, dass die sich mit ihrem bürgerlichen Dasein als "hinterletzte Klarinettistin" im Symphonieorchester zufrieden gibt. Die Tochter ein Mauerblümchen - grausames Schicksal!

Heute, zu Noras 40gstem Geburtstag, kommt Fiona zu Besuch. Für die Tochter der jährlich sich wiederholende Albtraum, zumal die exaltierte Diva ihren Hausfreund und langjährigen Bewunderer JACQUES DE LA SEMAINE mitbringt, der ihr mit schwülstigem französischen Akzent ununterbrochen Komplimente aufs Butterbrot schmiert. So trifft sich diese eigentümliche Gesellschaft (Nora, ihr Gatte, Fiona und ihr graumelierter Begleiter) zum Geburtstagsessen, garniert mit den üblichen Sticheleien der Grande Dame, immer wieder unterbrochen von den Explosionen im Labor des werkelnden Schwiegervaters unterm Dach.

Ehe der Abend vollends aus dem Ruder gerät, kommt zufällig ein Gerät zum Einsatz, per Wackelkontakt, das der Vater entwickelt hat und das die wirklich einzige seiner Erfindungen ist, die einen Ansatz von Funktionstüchtigkeit aufweist: Ein Körpertauschomat. Und plötzlich steckt Fionas Seele im Körper der Tochter, während sich Nora in dem der Mutter wieder findet.

Das bietet natürlich eine Menge Konfliktstoff, denn die Mutter takelt die neue Hülle sogleich in ihrem Sinne auf, während Nora sich im Körper der Mutter endlich mal deren Alter entsprechend benimmt. Die Herren der Schöpfung, völlig ahnungslos, sind ob der Verwandlungen, die sich da vollführen, bass erstaunt, und der ältliche Charmeur steigt der jungen Frau nach, während Dr. Bemel eine merkwürdige Affinität für die Greisin entwickelt. Nächster Wackelkontakt, der Körpertauschomat schlägt erneut zu, und die Herren wechseln die Körper.

Als dann die Karten nochmals gemischt werden, landet Fiona in Dr. Bemels Hülle und Nora in der von Jaques. Erst als alle Varianten durchgespielt sind, kommt jeder wieder in seinen Körper, und nach einigem Tohuwabohu sind die Herrschaften um viele Erkenntnisse reicher. Hauptsächlich der, dass man mit Verständnis für sein Gegenüber immer weiter kommt.

Cadeau Claque ist eine wunderbare Screwball-Comedy mit einem geradezu beängstigend energetischen Mutter-Tochtergespann und wartet, wie üblich bei Daniel Call, mit einer umwerfenden Schlusspointe auf.

Presse: 
  • Kulone.com, 20.11.2010:
    "Cadeau Claque ist eine wunderbare Screwball-Comedy von Daniel Call mit einem geradezu beängstigend energetischen Mutter-Tochtergespann und wartet mit einer umwerfenden Schlusspointe auf. Temporeich inszeniert, enthusiastisch dargestellt und auf die Bühne gebracht wird Cadeau Claque ausschließlich von Mitgliedern der Statisterie am Theater Augsburg. Das einzige Statistentheater Deutschlands wird mit Rat u Tat von der Intendantin des Theaters Augsburg, Frau Juliane Votteler, wie auch von allen Abteilungen des Hauses unterstützt."

 

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