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Das war ein Mann

Autor Reference: 
Informationen: 

This was a man

von Noël Coward

Deutsche Neufassung von Martin Dongen


PERSONEN 
(in der Reihenfolge ihres Auftritts):

  • EDWARD CHURT
  • CAROL CHURT
  • HARRY CHALONER
  • MARGOT BUTLER
  • BERRY
  • BOBBY ROMFORD
  • ZOE St. MERRYN
  • Major EVELYN BATHURST
  • BLACKWELL


AUSZUG

(EDWARD, ZOE)

EDWARD  Ich bin erfolgreich - vermögend. Ich habe alles, was ich jemals wollte.

ZOE  Hast du nicht. Du hast nur das, was die anderen glauben, was man haben sollte.

EDWARD  Du inspirierst mich ungemein, Zoe. Wie eine frische Brise direkt vom Atlantik.

ZOE  Du siehst so aus, als ob du Inspiration dringend nötig hättest.

EDWARD  Das stimmt.

ZOE  Es ist gut, dass ich wieder zurück bin.

EDWARD  Ja. Ich bin über die Maßen froh.

ZOE  Was stimmt nicht?

EDWARD  Eine Masse.

ZOE  Carol?

(...)

Synopsis: 

Dieses Stück jongliert mit den Affären von sehr britischen Naturen. Oder eigentlich mit deren Reaktionen auf Ehebruch und versuchtem Ehebruch. Bedeutet: Alles geht anschließend so weiter! Schließlich sind wir in der Nachkriegszeit (in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg), es gilt eine neue Moral, nichts wird mehr ernst genommen. Auf nichts kann man sich noch verlassen. Hauptfiguren von This Was a Man (Das war ein Mann) sind EDWARD CHURCH, ein erfolgreicher moderner Maler, seine Frau CAROL und deren Freunde und Bekannte – durch die Bank Oberklasse, wie Noël Coward sie gern beschrieb und karikierte.

Von Carol sagt ihr Schöpfer, ihre "vivid personality is composed of a minimum of intellect and a maximum of sex". Wie sie gestrickt ist, ist die "lebenslustige" Carol anfällig für jede Art von Versuchung, und lange sieht es so aus, als habe ihr Ehemann nichts dagegen. Allerdings stört es ihn, dass es seine impulsive Carol mit beinahe jedem ihrer gemeinsamen Bekannten treibt, außer mit ihm. Dennoch sind Carol und das Publikum gleichermaßen überrascht, als er auf den letzten Metern des Stücks von Scheidung spricht, ja sogar dazu entschlossen scheint. Anschließend verkündet er nonchalant, dass er jetzt zum Lunch gehe. Und schließlich: "There's always time to shoot yourself.".

Das ist ein Coward-Satz, wie ihn das Publikum zu dieser Zeit erwartete und meistens auch bekam. Spätestens damit reißt der Autor seine Komödie wieder ins Komödiantische zurück. Noël Coward schrieb This Was a Man 1926 in einer besonders produktiven Phase seines Lebens unmittelbar nach The Vortex in anderthalb Jahren schrieb er seine heute noch mit großem Erfolg laufenden Komödien Fallen Angels, Hay Fever, Easy Virtue, The Queen Was in the Parlour, dazu Revuen, Songs für Revuen und trat außerdem noch auf.

Was This Was a Man speziell angeht, so verfasste er den Text während einer Ferienreise in Palermo, wo er sich mit einem Freund aufhielt, der in Personalunion sein Manager und sein Liebhaber war. Insofern hatten er und seine Figuren schon miteinander zu tun, waren sozusagen beide Ausdruck des Zeitgeistes. Man kann es aber auch andersherum sehen: Hätte es Coward, seine Stücke und sein öffentliches Auftreten nicht gegeben, hätte es auch diesen Zeitgeist nicht gegeben. Nicht jeder junge Mann konnte sein wie er, nicht jede junge Frau konnte so locker mit ihren Liebhabern umgehen wie Carol, doch sie wie er konnten es wenigstens versuchen ... 

Die britische Theaterzensur (sie bestand bis 1968) erkannte sehr klar die subversiven Elemente, die This Was a Man enthielt wie alle Coward-Komödien und verbot die Aufführung dieses Stücks in Groß-Britannien. Und das, nachdem sie wenige Monate vorher Cowards Riesenerfolg The Vortex – voll von Drogen und Lebensüberdruss – akzeptiert hatte. Anscheinend war für "the Lord Chamberlain's office" die Zerstörung durch Drogen leichter zu ertragen, als die Unterminierung der Ehe mit leichtfertiger Rederei und dem Marsch durch die Betten. Jedenfalls führte das Verbot von This Was a Man dazu, dass das Stück nur in New York (1926), in Berlin (1927) und in Paris (1928) aufgeführt wurde. Man muss zugeben, dass diese Komödie wirklich nicht Cowards erfolgreichstes Werk war, doch es ist auch nicht zu bestreiten, dass sie den Ton seiner übrigen Stücke hat. Selbst Coward hatte an This Was a Man zu mäkeln. Bezeichnenderweise machte er sich aber keine Gedanken über die Moral der Geschichte. Ihn störte ein handwerklicher Fehler im 2. Akt. Da reden Carol und ein Verehrer, der schon längst Feuer und Flamme für sie ist, immer noch lang und breit über die kommende Angelegenheit, statt sie kurzerhand zu genießen.

Noël Coward sagte dazu, Langweiler auf der Bühne langweilen das Publikum im Parkett, selbst wenn es ironisch gemeint ist. Wahrscheinlich war er damit zu streng mit sich. Er kann gar nicht langweilen.  

 

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