Bonnards Geheimnis

Bonnards Geheimnis
(The Secret of Mme Bonnard’s Bath)

Informationen: 

Komödie von Israel Horovitz

Deutsch von Jörn Jacob Rohwer   

 

 

Casting Informationen: 
  • JUNGE FRAU
  • JUNGER MANN
  • BONNARD
  • WÄCHTER
Synopsis:

Als Israel Horovitz in Frankreich bei einem eigenen Stück Regie führte (nichts Ungewöhnliches für den vielseitigen Autor) erzählte man ihm eine hübsche Anekdote: 1945, Mittagszeit in einem kleinen Museum an der Côte d’Azur. Der sowieso schon schläfrige Wärter schläft endgültig ein. Während er sanft schnarcht, kommt ein alter Mann in den Saal. Der Alte trägt einen Malerkittel, hat eine Brille auf der Nase und Farbe und Pinsel in der Hand. Er geht entschlossen zu einem Gemälde, das in einer Ecke hängt – "Junge Frauen in einem Garten", ein Werk von Pierre Bonnard aus den frühen zwanziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts –, sieht sich das Bild prüfend und kritisch an. Endlich beginnt er, Gelb, viel goldenes Gelb, auf die Locken einer der Frauen zu tupfen. Der Wärter wird durch einen Zufall wach, erkennt, was vorgeht, rennt zu dem Alten, schreit ihn an: "Verrückt geworden?! Was machen Sie denn da?" und versucht, ihm den Pinsel aus der Hand zu reißen: "Sie ruinieren einen Bonnard, Sie alter Narr! Haben Sie überhaupt eine Ahnung, wer das ist?" Darauf erwidert der Alte, der sich nicht im Geringsten stören lässt: "Ich bin Bonnard! Das habe ich gemalt! Und jetzt mache ich es besser!" Und genau so, mit dieser kleinen Szene, beginnt Bonnard's Geheimnis, eins der neueren Stücke des immens produktiven und des ebenso erfolgreichen Autors Israel Horrovitz.

Das zentrale Geheimnis, das es hier zu klären gilt, ist die Frage: Warum hielten es die Frauen mit Pierre Bonnard aus? Als normaler Besucher von Museen kennt man vor allem eine seiner Frauen: Marthe! Eigentlich hieß sie Maria Boursin, aber sie gab sich gern als Marthe de Méligny aus und mit diesem Namen ging sie auch in die Kunstgeschichte ein. Sie war eine grazile Kindfrau, erst Bonnards Modell, dann seine Geliebte und endlich durch Gewohnheit und Gesetz seine Frau. Die beiden lebten seit 1893 zusammen, und Marthe ist Bonnards Sujet in 384 Gemälden, davon 147 Akten. Marthe (oder war es Bonnard selbst?) war von einer Obsession fürs Baden und Waschen beherrscht. Bonnard malte Marthe in immer neuen Posen in der Badewanne oder beim Verlassen der Wanne, wie sie sich fürs Bad auszieht, beim Spiel mit dem Wasser, wie sie sich parfümiert. In vielen Bildern verleiht Pierre Bonnard ihr etwas Schwebend-Labiles; stets wirkt sie begehrenswert. Das lässt den Beschauer an Liebe, vor allem aber an Lust denken. Es gibt aber auch noch eine zweite Frau, die Bonnard (auf seine Weise) über Jahre geliebt und gemalt hat: Renée Monchaty, kurz "Chaty" genannt. Pierre Bonnard und Monchaty waren von 1918 bis zu Chatys Selbstmord zusammen, ohne dass er dabei von Marthe ließ. Im Leben war Renée Monchaty brünett. Doch nach ihrem Tod malte Bonnard ihr Haar entweder leuchtend golden oder mattsilber, ihre Bilder von früher übermalte er. So existiert heute nur noch ein einziges Bild von ihr mit dunklen Haaren. In Junge Frauen in einem Garten sind beide zu sehen, Marthe und "Chaty", doch auch genaues Betrachten des Bildes löst das Geheimnis nicht. Warum haben es die Frauen mit diesem seltsam melancholischen, extrem scheuen Mann ausgehalten? Auf seinen Bildern kommen sozusagen nur Schatten von ihm vor, allerdings bleibt er immer als unsichtbar Anwesender spürbar. Und warum konnte er sich nicht für eine der Geliebten entscheiden? Warum brauchte er beide und warum brauchten sie ihn?

In seinem Stück Bonnard's Geheimnis hält sich Israel Horovitz an die äußeren Stationen von Bonnards Leben. Man lernt seinen Kunsthändler Vollard genauso kennen wie seinen Lieblingsfeind Picasso – die beiden haben nichts Gutes aneinander entdecken können. Da die Darsteller sowohl die Haupt- wie die Nebenrollen verkörpern (müssen), ist das Stück dennoch erstaunlich ökonomisch gebaut. Die dramaturgische Kunstfertigkeit des Autors zeigt sich auch darin, dass er als Nebenhandlung ein junges Paar von heute einführt – Aurélie und Luc, Kunststudenten, die sich (einige) Gedanken über Pierre Bonnard machen und viele über sich. Ihre Liebesgeschichte ist ebenfalls kompliziert, weil beide anderweitig engagiert sind ... Wie das Leben so ist!

Presse: 

Campus-web.de, Nadine Dannenberg:
"Fazit: Ein Abend voller großer Gefühle, mit starken Schauspielern, die den Gestalten nicht nur ein Gesicht, sondern auch ausgeprägte Charaktere geben. In der intimen Atmosphäre des Euro Theaters wird man schnell in das Geschehen eingesogen, Horovitz‘ Geschichte wird zum Leben erweckt. Ein nicht enden wollender Applaus spricht bekanntlich Bände, in diesem Falle war er auch ohne Frage angebracht."

Theatermania:
"Das Werk zeigt nicht nur Ausschnitte aus verschiedenen Lebensbereichen von Bonnard, sondern auch moderne Szenen, in denen ein paar Kunststudenten, Aurelie und Luc, ihr eigenes Drama ausspielen. 

Broadwayword.com:
"Ist es die Suche nach einem absoluten Pinselstrich von leuchtender Farbe, die Pierre Bonnard (....) dazu brachte, sein Bild plötzlich zu überarbeiten, obwohl es an der Wand eines kleinen Pariser Museums hing? Oder war es das Bedürfnis des Künstlers, eine lange verborgene und tragische Liebe wieder aufleben zu lassen? Zwei junge Kunststudenten entdecken die veränderte Malerei und lüften das Geheimnis von Mme Bonnard's Bath.... Israel Horovitz' meisterhaftes neues Stück verspricht Geheimnis, Romantik, Intellekt und Humor."

Produktionen: 
  • UA: 10.08.2006, Gloucester Stage Company, Gloucester
  • 21.02.2007, Kirk Theatre, New York
  • DSE: September 2008, Euro Theater Central, Bonn
Autor(en): 
Besetzung:
1 Dame, 3 Herren
Komödie
Schauspiel