Die Sprache der Lava

Die Sprache der Lava
(Volcano)

Informationen: 

Stück in zwei Akten
Von Noel Coward

Deutsch von Klaus Chatten

Zum Stück:
Coward schrieb Volcano 1956 während seines selbst gewählten Exils auf Jamaica. Man hat immer davon gesprochen, dass Coward wegen der niedrigen Steuern in die Karibik gegangen sei. Das mag ein Grund gewesen sein, es war aber mit Sicherheit nicht der einzige. Er konnte sich dort ein Leben in Glamour und mit einer – auch sexuellen – Freizügigkeit leisten, das ihm in England nicht vergönnt gewesen wäre. Es mussten fünfzig Jahre vergehen, bis man (private) Fotos von damals und Volcano zu sehen bekam. Als es entstand, wurde es als "zu gewagt" eingeschätzt. In den fünfziger, sechziger Jahren wurde es weder veröffentlicht noch aufgeführt. Mittlerweile kann man sich den Text an jeden Ort der Welt schicken lassen. Im Zuge der generellen Coward-Renaissance wurde auch dieses Drama aus den Regalen geholt, und siehe da, befreit man es mit einigen entschlossenen Strichen von Übertreibungen und zu rassistischen Figuren, dann ist es nicht nur spielbar, sondern man entdeckt Sätze und Situationen, die von Ibsen, aber auch von Harold Pinter sein könnten.

 

Casting Informationen: 
  • ELLEN DANBURY
  • ADELA SHELLEY
  • GRIZELDA CRAIGIE
  • ROBIN CRAIGIE
  • GUY LITTLETON
  • MELISSA LITTLETON
  • MAMMY ALEENA
  • MR. IMALAKI
  • KEITH DANBURY
Synopsis:

Die Sprache der Lava spielt auf der imaginären Insel Samolo im Süd-Pazifik. Es geht um eine Gruppe von Leuten, die einige Tage in einer Ferienanlage zusammen sind. Sie fürchten den Ausbruch des Vulkans, der die Insel beherrscht, und glauben, hier in Sicherheit zu sein. Sie müssen jedoch erleben, dass genau hier ihr Leben aus den Fugen gerät. Worum geht es? Um Treue und Untreue in den Tropen.  In der schwülen, angstgesättigten Atmosphäre, die die Insel und das Stück beherrscht, verführt GUY LITTLETON, ein reicher Nichtstuer, ELLEN DANBURY, eine junge Frau und Nachbarin, die es wegen des befürchteten Vulkanausbruchs nicht zu Hause ausgehalten hat. KEITH, ihr Mann, ein Ingenieur, ist beruflich unterwegs, hat aber versprochen, so bald wie möglich zu kommen. Die Verführung geht routiniert vonstatten: Guy Littleton ist ein Roué, wie er im Buche steht. Tatsächlich hat ihn Noël Coward nach dem Leben gezeichnet; der Erfolgsautor Ian Fleming, Erfinder von "007", Cowards jamaikanischer Nachbar, stand Modell. Als er dann eintrifft, der retten-wollende Ehemann, hat Littleton nichts Wichtigeres zu tun, als ihm zu eröffnen, dass jemand seine Ehe unterminiert habe.

Zur Rede gestellt, gibt die ebenso aufrichtige wie naive Ellen ihrem Mann zur Antwort: "Wen hast du denn so über alles geliebt? Wer hat dir denn nun dein ganzes Leben zerstört?"  Das ist der Moment, an dem der Butler meldet: "Mr. Guy Littleton." Littleton versucht sich auch bei ADELE SHELLEY, einer verwitweten Plantangenbesitzerin im besten Alter. Sie ist früher einmal der Leidenschaft erlegen – damals in Paris! Vorbei, vergessen! Nun ist sie lebensüberdrüssig, wie alle wahren Coward-Heldinnen. Selbst die Gefahr und die besondere Situation, in der man steckt, können ihre Lust nicht wiedererwecken. Sie sagt Littleton: "You wreak too much havoc, swaggering your way through people's lives touting your illusion that physical love is the one irreplaceable ecstasy. I'm tired of the noise you make with your shrill, boastful trumpeting. Please go away and leave me alone." Adele nimmt dann (laut Text) die Muscheln, die er für sie gesammelt und ihr gebracht hat, wirft sie auf den Boden, wo sie zerbrechen.  Man kann das etwas zu symbolisch finden. Doch auch in diesem Punkt hat sich Coward ans wirkliche Leben gehalten: So hat Blanche Blackwell, Cowards Nachbarin, bei einem Streit mit ihrem Liebhaber Ian Fleming reagiert. Kann die Geste dann falsch sein?  

Presse: 

The Independent: 
"Die größte Überraschung des ersten Jahres war „Die Sprache der Lava“, ein Stück von Noel Coward, das 1955 veröffentlicht und seitdem nicht mehr gesehen wurde."

The Telegraph, 2000: 
"Die Sprache der Lava“ könnte Cowards karibische Antwort auf The Cherry Orchard sein, die ein schönes, aber dekadentes Leben an den Hängen des Aussterbens darstellt."

Produktionen: 
  • UA: 26.06.1989, The Mill and Sonning, Oxfordshire
  • 2000, Palace Theatre, Westcliff-on-sea
frei zur deutschsprachigen Erstaufführung
Autor(en): 
Besetzung:
5 Damen, 4 Herren
Komödie
Schauspiel