Drei Wochen nach dem Paradies

Drei Wochen nach dem Paradies
(3 WEEKS AFTER PARADISE)

Informationen: 

Monolog von Israel Horovitz

Deutsch von Daniel Call 

 

 

Casting Informationen: 
  • MANN
Synopsis:

Heute, neun Jahre danach, ist der größte Teil der Menschheit überzeugt, dass die Anschläge der neunzehn Al-Qaida-Terroristen auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington ein Wendepunkt der Weltgeschichte waren. Nichts ist mehr wie vorher! Die politischen Verhältnisse haben sich umgekehrt. Ehemalige Feinde haben sich in Allianzen gegen den Terrorismus zusammengefunden. Neu geschaffene Gesetze geben den Sicherheitsbehörden Freiheiten, die man ihnen in den scheinbar friedlichen Zeiten vor dem 11. September 2001 nie gewährt hätte. Guantanamo und alles, wofür das Lager steht, ist Anfang 2010 noch Realität. Gläubige Mohammedaner werden im Westen voller Misstrauen betrachtet und wie potenzielle Verbrecher behandelt.

Das Gift, gemixt aus Angst und Hass, wirkt stärker statt weniger. Wenn man heute – mit diesem Wissen – Israel Horovitz’ "Schnellschuss" DREI WOCHEN NACH DEM PARADIES liest und hört und sieht, kann man nur bewundern, wie rasch Israel Horovitz die neue Wirklichkeit begriffen und wie geschickt er sie auf die Bühne gebracht hat. (Kein Zufall, dass der Text dieses Ein-Personen-Stücks auch die Grundlage eines Fernsehspiels und eines mit Preisen bedachten Hörspiels wurde.)

Allein der Titel! Bei den ersten Aufführungen machte sich das deutsche Feuilleton von FAZ bis Spiegel über den langen Monolog DREI WOCHEN NACH DEM PARADIES – EINE STIMME AUS NEW YORK lustig. Welches Paradies sollte verloren gegangen sein? Doch wie recht hatte Horovitz! Das Paradies liegt wirklich hinter uns. Erscheinen nicht jedem Reisenden die Erinnerungen an die Flugreisen von ehedem in leuchtenden Farben, jede Ferienreise durch ein exotisches Land als glückliches Abenteuer? Was ist davon geblieben?  

Wahrscheinlich ist Horovitz’ Text kein Stück Literatur für die Ewigkeit, möglicherweise aber doch. Wer hat seine Empfindungen dieses Tages exakter festgehalten? Es stimmt, der Text ist widersprüchlich, bedrückend und banal und gegenwärtig, aber auch ungewöhnlich weitsichtig und Realität und Alpträume durchdringend. Israel Horovitz selbst saß am Frühstückstisch in Lower Manhattan, als die Flugzeuge über sein Haus donnerten, um sich in die "Twin Towers" zu bohren. Als er begriff, was geschehen war und was noch geschehen konnte, machte er sich auf, seine Kinder zu sehen, die in der Schule waren, einige Straßenblocks weiter. Sein einziger Gedanke: Ist ihnen etwas geschehen? Nein, sie sind heil davongekommen. Erst am Fernsehschirm zu Hause erkennen sie, was vorgefallen ist.

Horovitz selbst wollte an diesem Morgen nach Kalifornien fliegen; es war reiner Zufall, dass er der Flug verschob. Er hätte in einer der entführten Maschinen sitzen können... Jeder kann nachvollziehen, was Israel Horovitz empfindet beziehungsweise der Mann, der seine Worte spricht. Er steht in New York am Fenster und blickt auf das verwüstete Areal gegenüber. Dort standen die Türme des World Trade Centers. "Es ist weg! Solange ich New Yorker bin, war es da. Aber jetzt ist es weg ... "

Und unter den Trümmern liegen Tausende begraben. Der Mann am Fenster redet über sie, über Alltäglichkeiten und Banalitäten, spricht von glücklichen Zufällen und grauenhaften Vorkommnissen. Man hat später ermittelt, mehr als zweihundert Menschen sind, teils allein, teils sich an den Händen haltend, von den brennenden Türmen des World Trade Centers gesprungen. Ein Kameramann in der Lobby eines der Türme filmte die entsetzten Gesichter der Feuerwehrmänner, während sein Mikrofon das Aufschlagen der Körper aufzeichnete, ein dumpfes Knallen, wieder und wieder. Wie soll man über solche Dinge schreiben, wie sie beschreiben, wie mit ihnen fertig werden, wie sie "verarbeiten"?

Israel Horovitz findet eingängige Beispiele für die Umwertung aller Werte. Unvermittelt solidarisiert sich der Mann auf der Bühne, sein Alter Ego, mit dem reaktionären Feuerwehrmann, der voller Wut herumsteht, weil er nicht löschen kann; bekommt Mitleid mit einem weinenden Polizisten: "Ist das einer von jenen Bullenschweinen, die ich 1968 so gehasst habe?" Israel Horovitz hat seinen langen Monolog aus der Position eines Zuschauers geschrieben, der nahe genug stand, um sich getroffen zu fühlen, und weit genug weg war, um keine persönlichen Verluste beklagen zu müssen. Sein Entsetzen über das Geschehene wächst erst mit dem Abstand, langsam, beständig: "Wohin damit? Irgendwo in einen Teil meines Gehirns, der für Hitler und meinen tobenden Vater reserviert ist – für Feuer und Überschwemmung."

Presse: 

Zweitausendundeins:
"Der eindrucksvolle Hörspielmonolog wurde bereits an zahlreichen Theatern in Deutschland und Europa aufgeführt." 

Die Zeit:
"Durch diesen Text spürt man wieder, "dass es wirklich passiert ist"" "... Mit DREI WOCHEN NACH DEM PARADIES: EINE STIMME AUS NEW YORK CITY hat Horowitz ein Protokoll seiner Reflektionen geschrieben. ... Vielleicht ist nicht alles an dem Text politisch korrekt. Vielleicht ist er kitschig und banal, dennoch gibt er zu denken. Und regt dazu an, die eigenen Wertvorstellungen kritisch zu überdenken!"

literaturtipp.com - Culture.text: 
"... Durch die zeitliche Nähe zu den Ereignissen des 11. September 2001 und dem Blickwinkel eines Mannes, der von seinem Fenster aus täglich auf Ground Zero schaut, erhält der Hörer eine persönliche und realitätsnahe Perspektive, die tief ergreift und zum Nachdenken anregt!"  

Playbill, New York: 
"3 Wochen nach dem Paradies transzendiert die Zeit und den Raum seines Kontextes und bringt uns schließlich zur endgültigen Erkenntnis, dass die Reise eines Menschen für Sicherheit und Verständnis wirklich ein tieferer Blick in uns selbst ist.... 3 Wochen nach dem Paradies ist ein persönlicher Bericht über die Gedanken, Gefühle und Emotionen über den 11. September, geschrieben von einem der produktivsten Dramatiker Amerikas, Israel Horovitz.... 3 Wochen nach dem Paradies fängt die Ängste der meisten New Yorker an diesem Tag ein. Horovitz erklärt: "Es wurde aus dem Herzen und Verstand eines Vaters geschrieben, der um seine Kinder und die Welt, die sie erben werden, besorgt ist...."".

 

Produktionen: 
  • UA: Oktober 2001, Stephen Joseph Theatre, Scarborough, England
  • DSE: 08.12.2001, Staatsschauspiel, Dresden
Autor(en): 
Besetzung:
1 Herr
Drama
Schauspiel