Im Zwielicht

Im Zwielicht
(A Song at Twilight)

Informationen: 

Von Noel Coward

Deutsch von Klaus Chatten

Aus der Trilogie Suite in Three Keys

 

 

 

 

Casting Informationen: 
  • HUGO LATYMER
  • HILDE - Hugo Latymers Frau
  • CARLOTTA GRAY
  • FELIX - ein Kellner
Synopsis:

Dieses Stück existiert in zwei Fassungen. Einmal als Einakter, der sowohl zu Theaterabenden Suite In Three Keys wie zu Suite In Two Keys gehört. Und dann als Langfassung, die einen eigenen Abend trägt. Kurz oder lang: Immer geht es um Sir HUGO LATYMER, seine deutsche Lebensgefährtin HILDA (halb Ehefrau, halb Sekretärin) und um seine frühere Geliebte CARLOTTA GRAY, Schauspielerin. Sir Hugo, Anfang sechzig, ein sehr erfolgreicher Schriftsteller, hat sich in ein Genfer Luxushotel "zurückgezogen", in eine Suite mit Blick auf See und Alpen und erstklassigem Essen, mithin eine äußerst angenehme Bleibe. Eines Tages meldet sich Carlotta, besagte Schauspielerin und abgelegte Geliebte, und bittet, auf einen "Sprung hereinschneien" zu dürfen. Sir Hugo, wiewohl in leichter Unruhe wegen des Besuchs, weiß nicht, wie und warum er sie abwimmeln sollte. Carlotta kommt also, sieht immer noch blendend aus, und bald ist man bei einem kleinen Diner, wie es Sir Hugo und Carlotta auf dem Höhepunkt ihrer Beziehung gern zelebriert haben. Es gibt Kaviar, Steak und rosa Champagner, Hilda zieht sich diskret zurück, alles wie "damals". Witzige Bemerkungen gehen hin und her, auch Spitzen. Bald ahnt man, dass Carlotta eine bestimmte Absicht verfolgt. Nachdem Sir Hugo sie in wenig schmeichelhafter Weise in seinen Memoiren porträtiert hat (in der Hauptsache als liebenswertes Dummchen), hat sich auch bei ihr ein Verlag gemeldet. Sie möchte nun ebenfalls ihre Erinnerungen publik machen, mitsamt der alten Affäre. Dazu würde sie gerne die Liebesbriefe verwenden, die er ihr seinerzeit geschrieben hat. Sie bittet ihn dazu um sein Einverständnis, und da man schon beim Thema ist, auch um ihre Briefe an ihn.

Die Geschichte entwickelt sich zu einem Katz- und Maus-Spiel, wobei Carlotta eindeutig die Katze ist. Nach einigem Hin und Her lehnt LATYMER jedenfalls ab. Er sieht sich außerstande, ihr den Wunsch zu erfüllen. In Cowards Dichter-Worten: "I have no intention of playing the horse to your Lady Godiva". Daraufhin wird aus dem Geplänkel eine elegante Erpressung. Carlotta offenbart, dass sie weitere Liebesbriefe besitzt – seine an Perry Sheldon, einen Freund von ihm und ihr. PERRY hat sie Carlotta vermacht, und sie denkt darüber nach, ob sie die Briefe nicht einem amerikanischen Literaturprofessor zukommen lassen sollte, der ganz wild darauf ist, ein aufsehenerregendes Werk über Hugo Latymer zu veröffentlichen ... Tenor: Hugo Latymer, wie ihn keiner kennt, einschließlich bestimmter Neigungen. Offenbar hat Latymer Carlotta anders in Erinnerung behalten, als sie war. Oder sie hat sich gewaltig verändert. Von einem liebenswerten Dummchen ist jedenfalls nichts zu entdecken. Hilda, die tapfere Ehefrau, erfährt bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal von einem Perry Sheldon und den Gefühlen ihres Mannes für ihn. Hugo hat ihr diesen Teil seiner Vergangenheit nie offenbart. Sie hält sich wacker – wahrscheinlich hat sie mehr geahnt, als sie wusste, und sie wusste genug. Schließlich war sie ja die eine Hälfte einer liebelosen Ehe. "Small talk, small talk, with other thoughts going on behind«, so lässt sich eine Figur in einem anderen Coward-Stück vernehmen. Diese Maxime ist das eigentliche Geheimnis (und die eigentliche Leistung) von Noël Cowards Kunst. Man ahnt stets, was in den Figuren vorgeht, wiewohl sie sich und dem Zuschauer Mal um Mal versichern, sie seien nur besonders glücklicher Durchschnitt. So betrachtet ist Song At Twilight, wo dem Publikum ebenfalls Smalltalk mit Hintergedanken geboten wird, ein ungewöhnlich ehrliches Stück.

Noël Coward lässt zwischen den Zeilen viel von seinen eigenen Demütigungen und Verletzungen erkennen. Er für seinen Teil hat zwar nie ein Geheimnis aus seiner Homosexualität gemacht, hat sich nie hinter einer Frau versteckt. Andererseits wurden seine erotischen Vorlieben nie in der Öffentlichkeit zum Thema gemacht. Allerdings gab ihm die Gesellschaft dabei stets zu verstehen, dass nur auf Widerruf toleriert werde, was er sich herausnehme. Dass man auch ganz, ganz anders könne! Noël Coward war zum Beispiel sehr stolz darauf, was er im Krieg für Großbritannien geleistet hatte, bis hin zu Spionagetätigkeit. Er hatte sehr darauf gesetzt, dass er dafür nach dem Krieg geadelt werde. Man verweigerte ihm jedoch kalt lächelnd jegliche Ehrung, wohl wissend, wie viel sie ihm bedeutet hätte. Erst kurz vor seinem Tod wurde er mit dem Allerwelts-Titel Sir ausgezeichnet, zu einer Zeit, als er darauf keinen Wert mehr legte. Wer jedoch diese bitteren Zwischentöne nicht hören will, kann sie nach Belieben überhören. Der Text bietet genug brillante Einfälle und witzige Dialoge, die an der Oberfläche bleiben. Und da sie sich mit überraschenden szenischen Wendungen zu einem amüsanten und stimmigen Ganzen zusammenfügen, wird SONG AT TWILIGHT beziehungsweise IM ZWIELICHT auch diese Zuschauer perfekt unterhalten.

Presse: 

Lola Müthel: 
"Es ist eine Freude für jeden Schauspieler, ein so gutes Boulevard-stück zu spielen."

The New York Times: 
"Es ist eine interessante Geschichte und vielleicht unternehmungslustig, wenn es darum geht, Cowards Privatleben mit neuen Problemen zu konfrontieren."

Theatre Rhinoceros: 
"Der Name Noël Coward zaubert Bilder von Salons, Raucherjacken, viel Alkohol und Zigaretten und unglaublichem Witz.... Das Stück hat all das und eine unerwartete zusätzliche Dimension der Traurigkeit."

New York Theatre Experience: 
"Kommen Sie, um eine andere Dimension von Noël Coward zu sehen." Die witzigen Linien sind immer noch da, nur jetzt sind sie bittersüßer." (....) "Ein Comedy-Drama über Ruhm, Infamie und die ewige Gegenwart der Vergangenheit. Ein Lied in der Dämmerung ist Cowards einziger offen schwuler Text." (....) "Coward weiß, wovor wir uns zu verstecken versuchen - dass wir alle den Tod und die Einsamkeit fürchten und fast alles tun werden, um das, was wir immer wissen, in der Dunkelheit zu vermeiden oder aufzuschieben. Cowards Lösung ist wunderbar klar - zu versuchen, die Fähigkeit zu finden, durch Lachen und Tränen das Schicksal zu erfahren, für das der Mensch geboren wurde."

Produktionen: 
  • UA: 25.04.1966, Queen's Theatre, London
  • DSE: 1971, Theater Immenstadt
Autor(en): 
Besetzung:
2 Damen, 2 Herren
Komödie
Schauspiel