Inder will zur Bronx, Der

Inder will zur Bronx, Der
(The Indian wants the Bronx)

Informationen: 

Von Israel Horovitz

Deutsch von Daniel Call

 

 

 

Casting Informationen: 
  • GUPTA - ein Inder
  • JOEY
  • MURPH

 

 

Synopsis:

Irgendwo in New York. An einer Bushaltestelle wartet ein Mann mittleren Alters ungeduldig und gleichzeitig unsicher auf den Bus. Er heißt GUPTA und ist das Urbild des Fremden, des "Ausländers". Er spricht kein Wort Englisch und ist zum ersten Mal in New York. GUPTA ist gekommen, um seinen Sohn zu besuchen, weiß aber nicht, welchen Bus er nehmen soll. Schlimmer, er weiß nur noch, dass sein Sohn in der Bronx wohnt. Straße und Hausnummer hat er vergessen. Mit ihm warten MURPH und JOEY, schnoddrige, zynische junge Männer, Rumtreiber, typische Großstadtpflanzen. Sie haben es nicht eilig, in ihr trostloses Zuhause zurück zu kommen. Weil sie nichts Besseres zu tun haben, machen sie sich erst über den Fremden lustig, werden dann unverschämt. Als sie merken, dass der "Indianer" Angst vor ihnen hat, bedrohen sie ihn und werden endlich gewalttätig. Der Mann versucht mit allem, was er weiß und hat, sie zu beschwichtigen und auf seine Seite zu ziehen. Er will sich sogar einreden, sie seien letztlich doch ganz freundlich, glaubt sogar, sie wollten ihm helfen. Bitterer Höhepunkt des Stücks: Die Jungen rufen Guptas Sohn an, schneiden aber die Telefonschnur durch, als der Mann endlich die Stimme seines Sohnes hört. Als Israel Horovitz Mitte der Achtziger Jahre den schockierenden Einakter The Indian Wants the Bronx schrieb, war er ein junger Mann, der gerade die Uni hinter sich hatte. Amerika war in Aufruhr. Die Schlagworte waren Sex, Drogen, Peace, Love, Flower power, Sit-ins. Der Vietnam-Krieg tobte, Hippies verschreckten das Land, junge Frauen zeigten ihren Bauchnabel, die Civil-Rights-Bewegung wollte die Befreiung der Schwarzen erzwingen und Martin Luther King und Bobby Kennedy wurden ermordet. Mit einem Wort: Es gab wahrhaftig andere Themen als die zeitlose Tatsache, dass der Fremde Misstrauen hervorruft, Beklemmung, geheime Furcht. Israel Horovitz sagt aber, dass er noch niemals ein Thema für eins seiner vielen Stücke in der New York Times gefunden habe. Er holt seine Themen buchstäblich von der Straße und bringt sie auf die Bühne. Und er tut gut daran!

Der Inder will zur Bronx funktioniert heute noch genauso wie vor vierzig Jahren. In einer deutschen Fassung aus dem Jahr 2007, die in Berlin spielt, ist aus dem Fremden ein Türke geworden, und in einer Aufführung in Florida machte man aus GUPTA einen Mexikaner, und schon waren beide Versionen hochaktuell. Doch man hüte sich davor, das Stück unter dem Stichwort "Ausländerfeindlichkeit" einzusortieren. So leicht macht es sich Israel Horovitz nicht. Er sagt, würde er in einem seiner Stücke "Antworten" entdecken, würde er es auf der Stelle verbrennen. Tatsächlich: Die Figuren, ihre Ängste und Obsessionen (zwischen Murph und Joey schwingt zum Beispiel eine unausgesprochene Homoerotik) machen den Reiz des Stücks aus, nicht irgendeine These. Man spürt, letztlich fühlen sich alle Drei im nächtlichen New York verloren. 

Mit The Indian Wants the Bronx gewannen drei junge, damals unbekannte Männer einen Obie Award: Al Pacino, der damit seine Theaterkarriere begann, John Cazale (später durch The Godfather bekannt) und eben Israel Horovitz selbst, er für "Das beste neue Stück". Der Obie Award ist ein mit 1 000 Dollar und viel Aufmerksamkeit bedachter Preis des Off-Broadway-Theaters, das Gegenstück zum Tony Award also. The Indian Wants the Bronx" wurde oft zusammen mit Rats (Ratten) aufgeführt. Diese Theaterabende standen meist unter dem Titel: From Harlem to The Bronx: Two Playsby Israel Horovitz.

Presse: 

Off-Off-Broadway Review: 
"(....) am Ende gewinnt der Außenstehende die volle Sympathie des Publikums, weil die Zuschauer die ungerechtfertigten Vorurteile und den Hass durch die Augen des Opfers sehen können." 

Produktionen: 
  • UA: Juli 1967, National Playwrights Conference, Eugene 0´Neill Memorial Theatre Foundation, Waterford, Connecticut
  • DSE: Anfang der 70er Jahre, Bonn
  • 1994, Türkisches Kulturensemble Im Diyalog, Kreuzberg, Berlin
  • 01.04.2013, Théâtre Darius Milhaud, Paris
Autor(en): 
Besetzung:
3 Herren
Drama
Schauspiel