Line

Line
(Line)

Informationen: 

Von Israel Horovitz

Deutsch von Götz Burger

Line ist Israel Horovitz erstes Stück und eins seiner erfolgreichsten: Es läuft seit mehr als dreißig Jahren permanent in einem Off-Broadway-Theater, wurde in über 35 Sprachen übersetzt und in fast ebenso vielen Ländern aufgeführt. Ganze Generationen von Schauspielern haben es in New York, London, Paris, Rom, Sydney oder Dehli, aber auch in Amateurtheatern oder kleinen Provinzbühnen aufgeführt. Heute berühmte Schauspieler haben damit ihre Karrieren begonnen, und es wird wohl keine Theater-Akademie geben, an der das Stück nicht wenigstens gelesen wurde.

 

Casting Informationen: 
  • FLEMING
  • STEPHEN
  • MOLLY
  • DOLAN
  • ARNALL  
Synopsis:

Fünf Leute stehen in einer Reihe an. Man weiß nicht, für was und erfährt es auch während des ganzen Stücks nicht. Jeder der Protagonisten – eine Frau und vier Männer – geben zwar eine einleuchtende Erklärung fürs Anstehen, da sie sich aber alle widersprechen, ist man am Ende so schlau wie am Anfang. Diese fünf Personen haben nun das Bestreben, koste es, was es wolle, Erster in der Reihe zu werden. Man erfährt zwar auch nicht, was der Vorteil davon ist – warum sie nicht Dritter, Vierter oder Fünfter sein können. Es wird auch nicht reflektiert, es ist offenbar eine feststehende Tatsache, dass man Erster sein muss. Dafür drängeln sie, lügen sie, betrügen sie, dafür beißen und schlagen sie, dafür machen sie sich die Anderen zu Feinden. Auf diese Weise entsteht ein Abbild des menschlichen Kampfes, wie er in allen Bereichen des alltäglichen und des gehobenen Lebens zu beobachten ist, in der Politik wie in der Wissenschaft, in der Kunst wie in der Kirche, in den Büros wie in den Fabriken. Und im Bett auch.  

Die fünf Helden, die da stellvertretend für uns alle ihre Kämpfe austragen, sind (in der Reihenfolge des Eintreffens): FLEMING, ein Baseball-Fan. Er hat sich als Erster angestellt, womöglich um an Karten für ein Baseball-Spiel zu kommen. Er ist ein bisschen einfältig und entsprechend dauert es nicht lange, bis man ihn vom ersten Platz verdrängt hat. Dann gibt es STEPHEN, einen gutaussehenden Typ, der etwas von James Dean hat, zumindest in den Augen von MOLLY, der einzigen Frau in der Truppe. Stephen ist ein Mozart-Freak und sehr schnell mit dem Mund. Mit seinen doppeldeutigen Redereien verunsichert er die Anwesenden mehr und mehr, speziell Fleming. Das bringt ihm aber auch nicht den Sieg. Des Weiteren gibt es den Philosophen DOLAN, der verschiedene Underdog-Theorien entwickelt. Eine besagt zum Beispiel, wenn man unter den Hund gerate, sei es höchste Zeit, ihm in die Eier zu treten – dem Hund! MOLLY, die Verführerin, die es ja praktisch in allen solch zufällig zusammengewürfelten Gruppen gibt, ist eine Frau mittleren Alters. Um an die Spitze zu kommen, setzt sie hemmungslos ihren Sex ein; bedeutet, sie treibt es mit jedem der anwesenden Männer, einschließlich ihres eigenen. Der Ehemann, dem sie so ungeniert die Hörner aufsetzt, heißt ARNALL. Er verdankt seinen ungewöhnlichen Namen seiner Großmutter beziehungsweise seinen Eltern. Weil sie sich nicht einigen konnten, ob der Junge nun Arthur, Nathan oder Lloyd heißen sollten, nahmen sie die Anfangsbuchstaben aller drei Vornamen und machten daraus einen vierten. Arnall ist ein Angsthase, der sich vor allem und jedem fürchtet, am meisten aber vor Bakterien. Ein einziges Mal steht er auf dem Spitzenplatz, verzichtet jedoch ohne großes Wenn und Aber. Man weiß ja nicht, welche Komplikationen sich ergeben könnten, wenn er der Anführer wäre ...   

Was man als todtraurige Angelegenheit betrachten könnte, erweist sich auf die Dauer – zumindest für den Zuschauer – als unglaublich verrückt und komisch. Der Einakter von rund fünfundsiebzig Minuten Länge ist eine schwarze Komödie in der Art eines Samuel-Beckett-Stücks. Entsprechend wird THE LINE in englischsprachigen Kritiken gern als "a Beckettian comedy" bezeichnet. In diesen Kritiken wird vermutet, die Linie stehe wohl für das uramerikanische Streben, Erster zu sein, worin auch immer, womöglich aber auch für das Leben als solches. Geradezu poetisch wird es, wenn gesagt wird, THE LINE sei der Lebensfaden selbst. In jedem Fall zeigt das Stück sehr überzeugend, mit welchen Kämpfen, Siegen und Niederlagen wir unser Leben vertun.

Presse: 

The New York Times:
"Eine perfekt gezeichnete Linie."

E On Stage:
"The Line ist ein "schnelles und wütendes" Stück, bei dem Schauspieler und Zuschauer atemlos enden sollten! Spannung und Humor ist einer der schwierigsten Cocktails auf der Bühne, aber auch der lohnendste! Als ich The Line zum ersten Mal sah, war ich begeistert. Ich ging am Tag danach zurück und sah es schließlich viermal."

Robyn Hills:
"The Line.... macht Spaß und ist immer unerwartet. Theater muss man nicht mögen, um The Line zu mögen - das ist wahrscheinlich das höchste Kompliment, das ich machen kann. Es ist eine knieende Stunde absurdes Theater, in der du noch lange nach der Vorstellung glucksen wirst."

Balagula Theatre: 
"Fünf Individuen. Eine Zeile. Was ist die Linie? Ist es etwas Reales, oder ist es der Versuch, das Unerreichbare zu erreichen? Ist es eine Roadmap zu Erfolg und Leistung? Auf die Erfüllung eines Traumes? Oder ist es nichts anderes als eine Rattenrasse, ein Ausdruck der menschlichen Natur, eine soziale Konditionierung? Mitten in ihrem eigenen Drama gefangen, sind die Charaktere im Nachteil. Ihre Perspektive ist verloren, während dem Publikum der Blick aus der Vogelperspektive auf die Absurdität der Anstrengung, Leidenschaft, List und Verschwörung erlaubt wird, die in ihren lächerlichen Kampf um den ersten Platz in der Schlange zum Nirgendwo geht".

Theatrealliance: 
"1968 geschrieben, ist dieser zeitlose Klassiker so relevant wie eh und je, um die amerikanische Win-at-all-costs-Attitüde zu verspotten."

 

 

Produktionen: 
  • UA: Off-(Off)-Broadway Premiere: 29.11.1967, Café LaMama ETC, New York City
  • UA: Off-Broadway Premiere: 15.02.1971, Theatre de Lys, New York City
  • DSE: 1992, Städtische Bühnen, Osnabrück
Autor(en): 
Besetzung:
1 Dame, 4 Herren
Komödie
Schauspiel