Meine alte Dame

Meine alte Dame
(My old Lady)

Informationen: 

Von Israel Horovitz

Deutsch von Klaus Chatten

 

 

Casting Informationen: 
  • MATHIAS „JIM“ GOLD - ein Amerikaner über 50
  • MATHILDE GIFFARD - eine Französin über 90
  • CHLOÉ GIFFARD - Französin über 50 
Synopsis:

MATHIAS GOLD, 50, New Yorker und Jude, erbt. Wie er es versteht, hat er in Paris eine Wohnung geerbt, wie man sie nur in Paris finden kann – elegant, groß, mit Stil und Blick auf den Jardin du Luxembourg; im Maklerjargon: sehr gesucht. Sein Vater, ein Geschäftsmann, der oft in Frankreich zu tun hatte, hat ihm diese Wohnung hinterlassen. Womöglich wollte er damit etwas gutmachen; an und für sich hatten Vater und Sohn schon seit Jahren nichts mehr miteinander zu schaffen. Für Mr. Gold jun. ist die Erbschaft wie Rettung aus höchster Not. Im Moment kann er gerade einen Flugschein New York – Paris zusammenkratzen. Für den Rückflug reicht es schon nicht mehr. Nun, muss es ja auch nicht. Er wird nach Frankreich fliegen, die Wohnung ohne großes Wenn und Aber verkaufen – was er kriegt, kriegt er; er ist nicht habgierig – und dann kann er endlich mal aufatmen, finanziell gesehen. Es stellt sich heraus, die Wohnung ist so, wie man sie ihm beschrieben hat. Das ist aber auch das Einzige, was seinen Vorstellungen entspricht. Womit er nicht gerechnet hat: In der Wohnung leben Madame MATHILDE GIFFARD und ihre Tochter CHLOÉ, und nach menschlichem Ermessen werden sie noch lange dort wohnen. 

Madame Giffard, die alte Dame, ist 94, gibt aber nur 92 zu und sieht wesentlich jünger aus. Sie ist von einer Vitalität, die Gold glauben lässt, dass sie mit Leichtigkeit auch die nächsten zehn Jahre packen wird. Chloé, ihre Tochter, ist fünfzig und eine unzufriedene, unverheiratete Lehrerin. Mathias Gold und Chloé sind sich auf Anhieb unsympathisch; die Beziehung zwischen der "alten Dame" und dem Erben ist anfangs ambivalent. Man muss abwarten, wie sich alles entwickelt. Es entwickelt sich nicht gut. Nach kurzer Zeit hat sich Mathias heillos in den Eigentümlichkeiten des französischen Wohnrechts verstrickt. Es stellt sich nämlich heraus, dass Gold senior Mathilde die bemerkenswert schöne Wohnung zwar abgekauft hat, ihr aber gleichzeitig ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt hat. Damit ist die Wohnung zu ihren Lebzeiten praktisch unverkäuflich. Nicht genug damit, der Eigentümer hat der ehemaligen Eigentümerin auch eine monatliche Rente zu zahlen – bis ans Ende ihres Lebens. Was anfangs wie ein goldener Regen aussah, erweist sich also rasch als ein Kreuz der besonderen Art.   Mathias, dreimal geschieden, hat keinen richtigen Beruf, kommt gerade so durch. Er schreibt, kann davon aber nicht leben. Genau genommen, sind bislang weder seine Gedichte noch seine Romane veröffentlicht worden.

Im Laufe der Geschichte erfährt man von Mr. Gold jun. des Weiteren, dass er Alkoholprobleme hat und selbstmordgefährdet ist. Und nun diese Falle! Dieser bösartige Jux des verschiedenen Vaters. Es wäre wohl wirklich das Beste, er zöge einen Schlussstrich.    Nun, die beiden anderen Personen des Stücks haben auch ihr Päckchen zu tragen. Chloé hat sehr schwierige "Beziehungen" hinter sich gebracht, alle endeten im Desaster. Anders ihre Mutter, die hatte zwar Glück in der Liebe, war aber nie Ehefrau. Nach und nach kommt heraus, Madame Giffard war die langjährige Geliebte des Verblichenen, und die Wohnung war anfangs ihr Liebesnest. Einen Moment lang kann man annehmen, Chloé und Mathias seien Halbgeschwister, sind es jedoch nicht. Die Dinge sind vielmehr noch vertrackter ... Nun, wie auch immer: Nachdem sich die beiden Unglücklichen genauer kennengelernt haben, weicht die anfängliche Abneigung und Hoffnung keimt auf. In jedem Fall: Eine große Rolle für eine Grande Dame des Theaters.

Presse: 

Wall Street Journal, Palm Beach Dramaworks, Terry Teachout, 18.12.2014:
"Die Magie von "Meine alte Dame" liegt in der übernatürlichen Geschicklichkeit, mit der Herr Horovitz seine wunderschön gezeichneten Charaktere zu dem treibt, wovon Sie glauben, dass es ihr Schicksal sein wird. Das ist die Art von Spiel, in der Sie Ihre Erwartungen erfüllen wollen und sich nicht im Geringsten von den Machenschaften manipuliert fühlen, die Sie auf dem Weg zum endgültigen Ziel führen. Horovitz hat "My Old Lady" kürzlich in einen Film mit Kevin Kline und Maggie Smith verwandelt, der auf der Bühne effektiver ist, und diese Produktion unterstreicht die Traurigkeit des Stücks, ohne den Hauch von Komödie zu verwässern, der es so befriedigend macht."

Berliner Zeitung, September 1997:
"Ein konzentriertes, recht kurzweiliges Stück." 

Daily News, Los Angeles: 
" Meine alte Dame bleibt ein Stück über die Familien, den Schmerz, den sie verursachen und die Geheimnisse, die sie bewahren."

The New York Times, September 2008:
"Von Anfang an ist es schwer zu glauben, dass diese beiden Menschen sich so viel zu sagen haben wie sie selbst. Aber Herr Horovitz nutzt ihr Alter, ihre Nationalitäten und Religionen für viele Überlegungen über die Rolle der Franzosen im Zweiten Weltkrieg, die Unterschiede zwischen europäischen und amerikanischen Sensibilitäten und, während das Stück weitergeht, eine zunehmend ernsthafte Debatte darüber, was moralisches Verhalten ausmacht. Sie gewinnen eine bemerkenswerte Intimität bemerkenswert schnell."

 

Produktionen: 
  • UA: August, 1996, Gloucester Stage Company, Gloucester, Massachusetts
  • Off-Broadway Premiere: Oktober 2002, Promenade Theatre, New York City
  • DSE/Europäische EA (der alten Fassung): 28.09.1997, Theater Dortmund
  • 28.01.2009, Théâtre Marigny, Paris
  • 26.04.2010; Stadttheater Bern, CH
Autor(en): 
Besetzung:
2 Damen, 1 Herr
Komödie
Schauspiel