Setzen! Deutsch für Dilettanten

Setzen! Deutsch für Dilettanten
(The Primary English Class)

Informationen: 

Von Israel Horovitz

Deutsch von Jörn Jacob Rohwer

 

 

Casting Informationen: 
  • ERZÄHLER
  • SMIEDNIK
  • PATUMIERA
  • ÜBERSETZER
  • Monsieur LAPOUBELLE
  • WASTEBAG
  • Frau PONG
  • YOKO KUZUKAGO
  • BIBI BOTTICH
Synopsis:

Was ist nur mit DEBBIE WASTBA los, der hübschen Lehrerin, die in einer New Yorker Schule ESL ("English as a Second Language") unterrichtet? In Volkshochschul-Deutsch sagt das, sie leitet einen Grundkurs Englisch für Ausländer. Auf den ersten Blick wirkt sie harmlos bis freundlich, scheint ein bisschen oberflächlich zu sein und möglicherweise ist sie unterschwellig aggressiv. Man wird zum Beispiel misstrauisch, wenn sie ihre chinesische Schülerin "eine alte Orientalin" nennt und an einem Italiener ihre wenigen Brocken Spanisch ausprobiert.

Doch wenn der Abend in der düster-schmuddeligen Abendschule voranschreitet und aus dem Englischunterricht für Anfänger eine schwarze Komödie wird, zeigt sich, dass Debbie ihre fünf (in einer anderen Version des Stückes sechs) Schüler als Punchingbälle für ihre Wut benutzt. An ihnen lässt sie ihren Ärger und Frustrationen aus, die sie sich den Tag über woanders eingefangen hat. Die Verwundbarkeiten ihrer Schüler – und wer ist ein leichteres Ziel als eine Person, die die Landessprache nicht spricht? – spiegeln ihre eigene Hilflosigkeit und ihren wachsenden Selbsthass.

Die sprachlichen, kulturellen und psychologischen Gräben zwischen Lehrerin und Schülern  sind schon canyontief, als die Geschichte beginnt. Im Laufe des Abends werden sie noch tiefer und noch schroffer, ganz egal, ob man über die sprachlichen Schnitzer und gezielten Bösartigkeiten nun lacht oder nicht. Was die Geschichte noch komplizierter macht, als sie ohnehin schon ist: Jeder der Schüler respektive Schülerin (so neu in Amerika, dass sie zum Teil noch ihr Gepäck vom Flughafen mitbringen) beherrscht nur seine/ ihre Sprache und ein paar Brocken einer Fremdsprache, mit der man sich dann weiterhilft.

Als Einzige in der Klasse spricht die Lehrerin Englisch, aber auch nur Englisch. Allerdings muss man Miss Wastba zugutehalten, dass sie erst am Vortag eingestellt wurde und dass sie keine pädagogischen Erfahrungen und Talente hat. Schließlich hat sie ein Diplom als Verwaltungsangestellte! Ihre anfänglichen guten Absichten gehen deshalb rasch verloren, und so lässt sie eben ihre angeborene Grausamkeit heraus. Man kann beim besten Willen nicht sagen, dass Israel Horovitz mit The Primary English Class eine politisch korrekte Komödie verfasst habe.

Im Gegenteil, er spielt mit allen Vorurteilen und Klischees, die man sich nur denken kann. Der Italiener hat ein Auge für die Damen, der Franzose ist Franzose bis ins Mark, der Deutsche ist zwanghaft ordentlich. Mrs. PONG, die Chinesin, ist eine Fertigchinesin und Miss KUZUAGO, die Japanerin, Japanerin von der Stange. Ein polnisch-sprechender Hausmeister namens SMIEDNIK macht aus der absurden Situation endgültig eine Absurdität.

Die Geschichte ist aus dem Jahre 1976, aus einer Zeit also, als in Deutschland die "Gastarbeiter", die heutigen "Migranten", noch eine relativ überschaubare Zahl ausmachten. Heutzutage, wo Berlin-Kreuzberg eine der größten türkischen Städte ist, und wo in Frankfurt am Main mehr als 130 Nationalitäten beheimatet sind, hat sie ohne Zweifel an Relevanz gewonnen. 

Eine Rolle wie die der Debbie Wastba muss man sich erst mal suchen. Bei der Premiere wurde sie von Diane Keaton gespielt; das Time Magazine schrieb darüber im März 1976: "Es gibt mindestens ein halbes Dutzend Debbies: ein falscher, leicht erzogener Hipster, ein strenger Grundschullehrer, ein sexueller Paranoiker (sie ist überzeugt, dass der Schulpfleger ein Vergewaltiger ist), ein vielfach voreingenommener Fremdenhasser, ein grausam verspieltes Kind und schließlich eine verletzliche Frau." Talkin’ Broadway: "Kommunikation ist schwierig. Es kann schwierig sein, selbst wenn alle dieselbe Sprache sprechen, aber wenn man eine Klasse voller Schüler hat, die keine gemeinsame Sprache unter sich haben, ist es fast unmöglich." 

Presse: 

Time Magazine: 
"Es gibt mindestens ein halbes Dutzend Debbies: ein falscher, leicht erzogener Hipster, ein strenger Grundschullehrer, ein sexueller Paranoiker (sie ist überzeugt, dass der Schulpfleger ein Vergewaltiger ist), ein vielfach voreingenommener Fremdenhasser, ein grausam verspieltes Kind und schließlich eine verletzliche Frau."

Talkin’ Broadway: 
"Kommunikation ist schwierig. Es kann schwierig sein, selbst wenn alle dieselbe Sprache sprechen, aber wenn man eine Klasse voller Schüler hat, die keine gemeinsame Sprache unter sich haben, ist es fast unmöglich." 

Produktionen: 
  • UA: 16.02.1976, Circle in the Square Theatre, New York City
frei zur deutschsprachigen Erstaufführung
Autor(en): 
Besetzung:
4 Damen, 4 Herren
Komödie
Schauspiel