Hauptmann, Anja
Stücke
Stücke (Übersetzung)
Anja Hauptmann zählte zu den führenden Textern und Übersetzern im Bereich Musical. Am 11. September 2025 ist sie in Bad Belzig im Alter von 84 Jahren gestorben.
In München geboren, verbrachte sie ihre Kindheit und Schulzeit abwechselnd in Deutschland und der Schweiz, absolvierte die Mittlere Reife in ihrer Geburtsstadt und die Dolmetscherschule in Zürich.
1961 machte sie in Berlin die Schauspielschule von Hilde Körber und ihre Ausbildung als Autorin. Es folgte eine dreijährige Fernsehkarriere als Moderatorin/Ansagerin beim ZDF in Wiesbaden und Mainz, sie kehrte aber 1964 zurück nach München und stieg dort aktiv in die Musikbranche ein, schrieb Songtexte und Libretti für namhafte Interpreten, wie Daliah Lavi, Brigitte Mira, Katja Ebstein, Suzanne Doucet, Curd Jürgens, Thomas Fritsch, Rex Gildo, Abi Ofarim, Su Cramer, Margot Werner, Donna Summer etc.
1966 kam ihr Sohn Emanuel zur Welt, ihre „beste Produktion ever“, wie sie sagte. Aufgrund ihrer Sprachkenntnisse in Englisch, Französisch und Italienisch folgten entsprechende Auftragsübersetzungen, z.B. Leonard Cohens Flowers for Hitler (Co-Autorin Anna von Cramer-Klett), Songs und Lyrics von Rudyard Kipling, z.B. „IF“ etc. Als freie Journalistin arbeitete Anja im Auftrag führender deutscher Illustrierter und Tageszeitungen. Ihr Spezialgebiet waren Star-Interviews jeder Couleur, z.B. Liv Ullmann, Helmut Berger, Helmut Newton, Burkhard Driest, Hildegard Knef...
1969 wurde sie mit der Übersetzung des damals wie heute spektakulären Musicals Jesus Christ Superstar von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice beauftragt. Außerdem verfasste sie Bühnensketche für das legendäre Kabarett „Münchner Lach & Schießgesellschaft“ sowie Liedertexte und Formate von Kindersendungen für Funk und Fernsehen, wobei sie selbst als viel beschäftigte Sprecherin für Werbung, Hörfunk- und Fernsehen agierte.
1975 produzierte sie ihre erste LP „Mein Kind“ (Polydor) mit eigenen Songtexten, die sie auch selbst interpretierte. Unter der Regie von Abi Ofarim entstand dazu 1977 auch eine 45-Minuten-Show „Mein Kind“ für das ZDF, mit themenbezogenen Zwischenmoderationen von bedeutenden Künstlern (Mario Adorf, Caterina Valente, Joy Fleming, Dieter Hildebrandt, Samy Drechsel, Franz Beckenbauer, Maria Schell, etc.) aus Theater, Sport, Film und Fernsehen.
1980 war das Gründungsjahr ihrer Firma „AHA-Tonstudio & Musikverlag“ in München, die sie insgesamt zwölf Jahre lang erfolgreich leitete. Karrieregag am Rande: Kultregisseur Helmut Dietl engagierte sie in dieser Zeit als „stets bedeutsam dreinblickende Kleindarstellerin“ für seine legendären Serien über die Münchner Bussi-Gesellschaft, deren aktives Mitglied sie war. „Monaco Franze“ und „Kir Royal“ (s. YouTube Monaco Franze, Folge: „Opernkritik“)
1982, nach dem Tode ihrer Mutter Barbara Hauptmann, übernahm Anja, zunächst von München aus, die Verwaltung des literarischen Nachlasses ihres Großvaters, des Dramatikers und Nobelpreisträgers Gerhart Hauptmann (1862–1946).
1996 übersiedelte sie nach Berlin, um mit ihrer PR- und Verwaltungsarbeit dazu beizutragen, das Werk von Gerhart Hauptmann im besten Sinne zu vermarkten und lebendig zu erhalten.