Tugend vergeht

Tugend vergeht
(Easy Virtue)

Informationen: 

Lockere Sitten
Von Noel Coward

Deutscher Titel eines Hitchcock-Stummfilms nach "Easy Virtue"

Deutsch von Klaus Chatten

 

 

Casting Informationen: 
  • COLONEL WHITTAKER
  • MRS. WHITTAKER
  • JOHN - ihr Sohn.
  • MARION - ihre älteste Tochter.
  • HILDA - ihre jüngste Tochter.
  • SARAH HURST
  • CHARLES BURLEIGH
  • PHILIP BORDON
  • FURBER
  • MR. HARRIS
  • NINA VANSITTART
  • HUGH PETWORTH
  • ERSTE JUNGER MENSCH
  • ZWEITER JUNGER MENSCH
  • BOBBY COLEMAN
  • LUCY COLEMAN
  • HENRY FURLEY
  • JUNGE
  • MÄDCHEN
  • MARY BANFIELD
  • MRS. HURST
  • MRS. PHILLIPS
  • LARITA WHITTAKER
Synopsis:

Wir sind in den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts, im Zeitalter des Jazz und des Hungers nach Leben und Vergnügen. LARITA HUNTINGTON, eine weltgewandte, welterfahrene amerikanische "Geschiedene" hat an der Riviera einen gewinnenden und (für sich) einnehmenden jungen Engländer kennen gelernt. Hals über Kopf hat man sich verliebt und, was die Sache sehr kompliziert, sogar geheiratet. 

Das Stück erzählt nun, wie Larita, die "Dame mit Vergangenheit", und ihre neuen und ziemlich ehrenwerten Schwiegereltern in deren Haus in England aufeinander treffen. Larita ist von einem brutalen, eifersüchtigen Ehemann geschieden worden, wobei die Scheidung viel Staub aufgewirbelt und Larita eine gewisse Berühmtheit verschafft hat.

JOHN WHITTAKER, dem jungen Ehemann, macht diese Publicity nichts aus; im Gegenteil, sie schmeichelt ihm. Den Schwiegereltern ist der "Ruf" der jungen Dame über die Maßen peinlich; sie sind wahrlich „not amused“ über den unerwarteten Neuzugang in der Familie. Die Whittakers, engstirnige, unglückliche Leute, haben nicht nur gegen ihre neue Schwiegertochter eine starke Aversion; sie kommen mit den Nachkriegs-Verhältnissen generell nicht zurecht. 

All diese neuen Moden und durch die Bank "ausländischen" Verhaltensweisen sind ihnen suspekt, rauben ihnen die vertrauten Sicherheiten und verstören sie mehr und mehr. Larita ihrerseits entdeckt rasch, dass das Leben in einem englischen Haushalt der ›Upper-Middleclass‹ entsetzlich langweilig bis deprimierend sein kann, speziell, wenn es aussieht, als würde ihr ach so junger und ach so neuer Ehemann sie wegen einer früheren Freundin sitzen lassen. Man kann es drehen und wenden, wie man will, je länger die Geschichte läuft, desto deutlicher wird, dass John Whittaker der Sohn seiner Eltern ist und wahrhaftig auch seine Macken hat. Nicht zufällig hat man sich in einem Spielcasino kennen gelernt ...

Das Stück entstand, als sein Autor 23 Jahre alt war. Es ist eine scharfe Attacke auf die Scheinheiligkeiten, die die frühen zwanziger Jahre beherrschen. Und ein Generalangriff auf die viktorianischen Ge- und Verbote, die weiter das Leben der Leute vergiften, obwohl sie durch den Weltkrieg längst ausgehöhlt sind. Was vorgeführt wird, ist nicht das vertraute Coward-Leben in stattlichen Herrensitzen mit spleenigen Oberklasse-Allüren. Deswegen sind die Attacken jedoch nicht weniger scharf als gewohnt. Eigentlich wird in subtil-bösartiger Weise genau das angegriffen, vor dem scheinbar salutiert wird. Insgesamt ist das Stück eine psychologische Studie von sexueller Unterdrückung und Schuld und Rache.

Noël Coward entnahm seine Figuren schamlos anderen Stücken dieser Art, aus The Last of Mrs. Cheyney, The Notorious Mrs. Ebbsmith, The Second Mrs. Tanqueray, Lady Frederick und wie all die Jahrhundertwende-Dramen heißen, in denen "eine Dame mit Vergangenheit" mit einer Mittelklasse-Familie in Konflikt gerät und wo sehr schnell die Fetzen fliegen. Dreißig Jahre nach Easy Virtue griff Noël Coward das Thema in Relative Values (1951) noch einmal auf, nun jedoch wesentlich heiterer.  

Hier in Easy Virtue gibt er sich lebensüberdrüssig, wie sich das für einen jungen Autor gehört. In jedem Fall erteilt Coward armen kleinen reichen Mädchen einen immer gültigen Rat: Beim Tanzen kann man leichter das große Desaster erwischen als das große Glück! Noël Coward hat sicher Stücke geschrieben, die mehr Coward waren als Easy Virtue. Aber selten eines, das so scharfsinnig und gerissen über die britische Klassenstruktur samt zeitgemäßer Moral und mentalen Niedergang urteilt wie Easy Virtue.

Dass der Stoff immer noch aktuell ist, zeigt die Tatsache, dass er im Jahr 2008 von Stephan Elliott auf die Leinwand gebracht wurde. In dieser Verfilmung spielen Jessica Biel die bezaubernde Larita Huntington und Ben Barnes den wohlhabenden jungen Ehemann, Colin Firth und Kristin Scott-Thomas sind Mr. und Mrs. Whittaker, die unglücklichen und gegen sich und die Welt kämpfenden Opfer. Es ist übrigens die zweite Verfilmung des Stoffes; die erste stammt von Alfred Hitchcock – noch in Schwarz-Weiß und als Stummfilm. Wahrlich nicht die richtige Voraussetzung für Coward-Ping-Pong!

Presse: 

Curtain Up Review, 2000: 
"Tugend vergeht sorgt für einen würdigen Theaterabend."

Produktionen: 
  • UA: 07.12.1925,  Empire Theatre, New York
  • März 2000, Festival Theatre at the Shaw Festival, Niagara-on-the-Lake, Ontario
frei zur deutschsprachigen Erstaufführung
Autor(en): 
Besetzung:
10 Damen, 9 Herren
Komödie
Schauspiel