Abwärts

Abwärts
(The Vortex)

Informationen: 

Stück in drei Akten von Noël Coward

Deutsch von Klaus Chatten   

Casting Informationen: 
  • PRESTON
  • HELEN SAVILLE
  • PAUNCEFORT QUENTIN
  • CLARA HIBBERT
  • FLORENCE LANCASTER
  • TOM VERYAN
  • NICKY LANCASTER
  • DAVID LANCASTER
  • BUNTY MAINWARING
  • BRUCE FAIRLIGHT
Synopsis:

Noël Cowards Drama The Vortex (deutscher Titel: Abwärts) war das Londoner Stadtgespräch, als es 1924 herauskam, ein Sex- und Sensations-Schocker der ersten Ordnung. Man war fasziniert, mit welcher Lässigkeit hier die britische (Nachkriegs-) Gesellschaft geschildert und mit welchem Mut die Beziehungen zwischen den Geschlechtern vorgeführt wurden. Es wurde weniger gesprochen, denn gezeigt, und weniger gezeigt als angedeutet, und alles zusammen erregte das Theaterpublikum, und machte die Gespräche darüber im Salon und im Bett fiebrig.

Es war das erste bemerkenswerte Stück eines jungen Autors – gerade 24 Jahre alt –, der sich obendrein noch eine der beiden Hauptrollen gesichert hatte, die des jungen NICK LANCASTER, Klavierklimperer, Kokainschnupfer, latent homosexuell. "NICKY", die Bühnenfigur, wurde bald mit ihrem Autor gleichgesetzt, beide ähnlich im Auftreten und gleich in Witz und Frechheit. Selbstverständlich gab es auch gravierende Unterschiede zwischen Rolle und Leben. Noël Coward war klug genug, sie nicht publik zu machen. Jedenfalls: The Vortex scheint zwei Akte lang "nur" eine Gesellschaftskomödie zu sein – mit Paaren, die nicht zusammengehören und einem nachsichtigen Ehemann und Vater, der alles geduldig erträgt und alles für die üblichen Verwirrungen und Verirrungen der Herzen nimmt. Dann kommt jedoch der dritte Akt und hier setzt sich nun "NICKY" mit seiner Mutter FLORENCE LANCASTER auseinander, wie man es seit Hamlet nicht mehr auf der Bühne erlebt hatte. Das Gespräch zwischen ihm und ihr ist eher ein Disput zwischen verfeindeten Liebenden denn ein Streit zwischen einer Mutter und ihrem Sohn. Bezeichnenderweise findet die Auseinandersetzung in ihrem Schlafzimmer statt. Florence Lancaster ist allerdings auch keine Mutter aus einem gemütvollen Familiendrama. Sie ist Societydame und sonst nichts. Als junges Mädchen war sie eine strahlende Schönheit, eine "Blüte der Gesellschaft"; jetzt besteht ihr einziger Lebensinhalt darin, sich gegen das Älterwerden zu sträuben. Dazu dienen ihr vorwiegend junge Männer. Ihr jetziger Liebhaber ist so alt wie ihr Sohn, und als er bereits im zweiten Akt zu Nicks munterer Braut "BUNTY" überläuft, ist das nicht mehr als recht und billig.

Das Bemerkenswerteste an dem Stück: Es ist heute noch genau so aktuell wie 1924. Man muss nichts ändern, nichts steigern, nichts weglassen, nichts hinzufügen – es funktioniert so, wie es ist. Mütter, die für ihr Kind und ihren Mann weniger übrig haben als für ihre Vergnügungen, gibt es heute wie damals und illusionslose, nach Halt und Liebe suchende junge Leute ebenfalls. Selbst das gesellschaftliche Getue und das Partygeschwätz, das Noël Coward festgehalten hat, hat weder Inhalt noch Form verändert.  Damals sagte James Agate, in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen Englands bedeutendster Theaterkritiker über Noël Coward und The Vortex: "Here is a piece which is the dernier cri in the theatrical mode, un peu shocking perhaps, but no less popular on that account..." Terence Rattigan, einer von Englands populärsten Dramatikern, urteilte über Noël Coward und seine Arbeit: "He is simply a phenomenon, and one that is unlikely to occur ever again in theatre history." Es ist kein Zufall, dass The Vortex 2007 und 2008 gleich in zwei großen Londoner Theatern gespielt wurde.

Presse: 

The Compulsive Reader: 
"Abwärts ist ein wütendes, interessantes und letztlich lohnendes Stück. Es ist das Stück eines jungen Mannes - Noël Coward war in den Zwanzigern, als er es schrieb -, aber es ist die Vorlage für einen Großteil der erwachsenen Werke: seine Charaktere sind abwechselnd tuntig und fleischfressend, und es ist unmöglich, diese Stränge voneinander zu trennen." 

The British Theatre Guide: 
"(...) eines von Noel Cowards ernsteren Stücken, eines, das manchmal wie etwas von Tennessee Williams brennen kann."

The Telegraph: 
"(...) Dies ist ein Abend, der sich denkwürdig von Cocktails und Gelächter zum rauesten Drama entwickelt (....) Eines der mysteriösen Dinge an Noël Coward, und eines der sicheren Anzeichen dafür, dass er ein großer Schriftsteller ist, ist, dass er dich ständig überrascht. Man hält ihn für einen urbanen Boulevarder, aber immer wieder kommt er in seinem Werk plötzlich als strenger, mit dem Finger wedelnder Moralist rüber. Sie denken, dass er auf Nummer sicher ging und die dramatischen Kuchen seiner Zeit beobachtete, nur um zu entdecken, dass er auch gewagt experimentell sein könnte.... Sie denken an ihn als den Autor von Comic-Liedern, nur um sich daran zu erinnern, dass viele seiner besten Nummern die Turbulenzen der Liebe und die Tumeszenz des Begehrens hervorragend einfangen..." 

The Guardian: 
"Letztendlich ist seine Heldin, Florence Lancaster, ein alternder Schmetterling, der mit einem jungen Liebhaber unter der Nase ihres Mannes herumtobt. Ihr Sohn Nicky, der aus einem verkommenen Jahr in Paris zurückkehrt, ist ein fieberhafter Neurotiker mit einer schweren Koksgewohnheit. Und der ödipal eifersüchtige Sohn konfrontiert seine eitle, selbstbetrügerische Mutter mit der Wahrheit über sich selbst und der Tatsache, dass sie gemeinsam in einem Wirbel der Bestialität gefangen sind."

Produktionen: 
  • UA: 25.11.1924,  Everyman Theatre, London 
  • 2002, Donmar Warehouse, London
  • 2008, Apollo Theater, London
  • 11.10.2018, Sir John Mills Theatre, Ipswich, GB
  • Frei zur DSE
Autor(en): 
Besetzung:
5 Damen, 5 Herren
Komödie
Schauspiel