Königin zum Anfassen

Königin zum Anfassen
(The Queen Was In The Parlour)

Informationen: 

Ein Stück von Noël Coward in drei Akten mit Musik

Deutsch von Klaus Chatten

 

 

Casting Informationen: 
  • PRINZESSIN NADJA
  • ZANA - ihr Dienstmädchen
  • MISS PHIPPS - ihre Sekretärin
  • DIE GROSSHERZOGIN EMILIE VON ZALGARIEN
  • PRINZ KERI VON ZALGARIEN
  • GENERAL KRISCH
  • SABIEN PASCAL
Synopsis:

Prinzessin NADJA lebt in unglücklicher Ehe: Ihr Mann, der Prinz von KRAYIA, verbringt seine Tage mit Politik und seine Nächte in "leichter Gesellschaft", will heißen mit anderen Frauen. Sein unerwarteter Tod befreit Nadya aus seelischer Not. Sie verlässt ihr unruhiges Balkanland (heiße Gemüter, unzufriedenes Volk) und verbringt ihr Trauerjahr in Paris. Und zwar als lustige Witwe. Im Pariser Nachtleben begegnet ihr SABIEN PASCAL, ein mittelmäßiger Schriftsteller, doch ein erstklassiger Liebhaber. Nadja lernt die Freuden der Liebe kennen. Als ihr Sabien einen Heiratsantrag macht, sagt sie ohne langes Nachdenken zu. Ein Mann, so ein Mann... Dann zieht sich der dramaturgische Knoten zu. General KRISH, der starke Mann in Nadjas Heimatland, taucht mit einer schrecklichen Nachricht auf. Der König ist ermordet worden, Prinzessin Nadya, die Nächste in der Thronfolge, muss zurückkehren und den Thron besteigen. Die Prinzessin weiß, was sie in und mit Paris aufgeben muss und ahnt, was sie in Krayia erwartet. Doch die Pflicht siegt über die Neigung, sie lässt Sabien Pascal sitzen und kehrt nach Krayia zurück. Dort muss sie feststellen, dass während ihrer Abwesenheit die Lage noch labiler geworden ist, das Volk noch unzufriedener. Die Revolution steht vor der Tür. Nadja bleibt allerdings keine Zeit, über die Verhältnisse nachzusinnen. Kaum ist sie zurück, zieht auch schon Prinz KERI, der Prinzgemahl, den General Krish der jungen Königin zugedacht hat, in eindrucksvoller Weise in Krayia ein. Königin ohne Prinzgemahl ist nicht denkbar, zumindest nicht in so unruhigen Zeiten. Zum Glück hat der General eine gute Wahl getroffen. Nadja ist von dem Fremden tief beeindruckt und fühlt, dass sie auch mit ihm glücklich werden kann. Bevor es allerdings zu Krönung und Hochzeitsnacht kommt, ereignet sich ein Anschlag – ein Attentäter schießt auf Ihre Hoheit. Der Schuss verfehlt sein Ziel; ein Mann aus dem Volk hat sich dem Attentäter in den Mörderarm geworfen. Man bringt den Retter zur Königin und die sieht, vor ihr steht Sabien Pascal, den Mann, den sie so schnöde verlassen hat. Alle Gefühle in Aufruhr! Nadja gewährt Sabien eine Privataudienz und bei dieser Gelegenheit fleht er sie an, ihm eine Nacht zu gewähren. Danach kann sie heiraten, wen sie will – er wird sich sowieso eher umbringen als zuzusehen, dass sie einen anderen ehelicht. Nadja willigt seufzend ein, so viel großes Gefühl kann nicht unerwidert bleiben. Nach einem schönen Soupé kommt es zur Wiedervereinigung. Das Zusammensein der Beiden wird gestört; Unruhe im Schlosshof, wieder das aufsässige Volk. Man muss fürchten, dass der künftige Gemahl erkennt, wer sich in Nadjas Schlafzimmer aufhält. Plötzlich fällt dort ein Schuss. Sabien Pascal hat seinem Leben ein Ende gesetzt. Nadja beichtet ihrem künftigen Prinzgemahl die ganze Geschichte. Der zeigt sich verständnisvoll. Letzten Endes ist ihre Ehe eine politische Ehe, da kann man nicht alles verlangen ...     

Noël Coward schrieb KÖNIGIN ZUM ANFASSEN, als er fünfundzwanzig Jahre alt war. Für ihn war es ein Stück unter anderen, flott, amüsant und komisch; dazu eigene Musik und Songtexte. Ein Teil des Publikums fühlte sich provoziert. Wie konnte dieser junge Mann sich in derart leichtfertiger Weise über die Heiligkeit der Ehe lustig machen! Der überwiegende Teil der Zuschauer sagte sich allerdings: Endlich einer, der den Ton der neuen Zeit trifft ... Noël Coward selbst war wie ein Komet am Londoner Theaterhimmel aufgetaucht. Es war unglaublich, was dieser junge Mann in wenigen Monaten und Jahren alles bot: Songs, Theaterstücke, Revuen. Er komponierte, schrieb, spielte und sang – London war entzückt. KÖNIGIN ZUM ANFASSEN gefiel, wurde gespielt und gespielt (just in jenem Theater, das später Jahr um Jahr die Mausefalle auf dem Spielplan hatte) und wanderte bald nach Amerika aus. Der Stoff wurde auch auf der Stelle verfilmt. Und zwar kam es 1927 zu einem Stummfilm in zwei Versionen: einer englischen und einer deutschen. Nach heutigen Maßstäben war in beiden "nichts zu sehen", aber alles zu ahnen. Folge: Die deutsche Fassung wurde von der Filmzensur verboten, Begründung: "entsittlichend", nicht tragbar für das Deutsche Reich. 1933 nahm sich Hollywood des Stoffes noch einmal an. Da spielten Claudette Colbert die Prinzessin Nadya, Frederich March Sabien Pascal. Sie boten "a costume drama of passionate love-scenes and Ruritanian splendours". Wobei nun "Ruritanien" hieß, was früher Krayia gewesen war. Generell muss man sagen, dass viel an den Details dieses Stoffes herumgedoktert worden ist. In den USA lief das Stück unter mehreren Titeln, unter anderem als Forbidden love. Die deutschen Filmversionen hießen: Hochzeitsnacht, Die letzte Nacht, Hochzeit der Königin und, in Österreich, Ein Königreich für ein Herz. Der Originaltitel The Queen Was in the Parlour ist eine Zeile eines Gedichts, mit dem Kindermädchen ihre kleinen Schutzbefohlenen erfreuen. Insgesamt ein Coward, der auf seine Wiederentdeckung wartet.  

Produktionen: 
  • UA: 14.08.1926, St. Martin's Theatre Glasgow
frei zur deutschsprachigen Erstaufführung
Autor(en): 
Besetzung:
4 Damen, 3 Herren
Komödie
Schauspiel