Post Mortem

Post Mortem
(Post Mortem)

Informationen: 

Stück in acht Szenen von Noel Coward

Deutsch von Klaus Chatten

 

 

Casting Informationen: 
  • JOHN CAVAN
  • Lady CAVAN
  • Sir JAMES CAVAN
  • EGGIE BRACE
  • TILLEY
  • TILLEY - 43
  • ALFRED BORROW
  • Miss BEAVER
  • SHAW
  • SHAW - 39
  • Lady STAGG-MORTIMER
  • BABE ROBBINS
  • BABE ROBBINS - 32
  • Der Bischof von KETCHWORTH
  • PERRY LOMAS
  • Sir HENRY MERSTHAM
  • Korporal MACEY
  • MONICA CHELLERTON
  • BERTIE CHELLERTON
  • KITTY HARRIS
  • JENNER - ein Laufbursche
  • DRAKE - ein Butler
Synopsis:

Noël Coward gab dieses starke, aber sehr düstere Stück niemals für die Bühne frei – es weicht vollkommen von seinen übrigen Werken ab, ist voller Gewalt und Enttäuschung und ohne Hoffnung. Es hat nichts von Cowards Witz und Schnelligkeit, nichts von leichter Komödie und Verstehen. Entsprechend seiner Anweisung kam Post Mortem zu seinen Lebzeiten niemals auf die Bühne. Doch auch nach seinem Tod im Jahr 1973 erlebte das Drama nur wenige Aufführungen, zum letzten Mal 1992. Und dennoch, zieht man Uniformen, patriotische (eigentlich chauvinistische) Sprüche und äußere Umstände ab, ist das Stück in Zeiten der Afghanistan- und Irak-Kriege so modern wie am ersten Tag.

Hauptfigur von Noel Cowards Post Mortem ist ein tödlich getroffener junger Soldat einer beliebigen Schlacht des Weltkriegs. Sein Geist, seine Seele zieht zehn Jahre später, Ende der zwanziger, Anfang der dreißiger Jahre durch England, sucht seine Familie, seine Freunde und seine früheren Kameraden auf. Der gewesene Soldat will herausfinden, ob sein früher Tod einen Sinn hatte und wenn ja, welchen. Hat sich sein Opfer gelohnt? War es richtig für den König und die Fahne das Leben zu geben? Die entsprechende Formulierung lautete damals in Deutschland: Für Volk und Vaterland! Und es war genau die Frage, die sich während der zwanziger und dreißiger Jahre die deutschen Kriegsopfer, die körperlich und seelisch "Schwerverletzten" stellten, und auf die sie oft nur erschreckend radikale Antworten fanden. 

Noël Coward schrieb Post Mortem auf einer Schiffsreise von Singapur nach London, als er noch aufgewühlt war von einer Darbietung des klassischen Antikriegsdramas Journey’s End von R. C. Sheriff, die er in Singapur gesehen hatte. Sheriff schildert in seinem Stück Offizierserfahrungen, die er während des Ersten Weltkrieges als Hauptmann einer britischen Infanteriekompanie gemacht hatte. Und es ist schon ein seltsamer Zufall, dass Post Mortem ausgerechnet während des nächsten Weltkrieges und an einem Ort, den man sich kaum ausdenken kann, zum ersten Mal in professioneller Manier aufgeführt wurde: Im Januar 1943 im britischen Offizierslager im idyllischen bayrischen Eichstätt. (Im Militärjargon: Im "Oflag VII B Eichstätt".) Es waren größtenteils Berufsschauspieler, die hier zur Freude ihrer Kameraden auftraten.

Die Hauptrolle, der tote Soldat, wurde von Michael Goodliffe gespielt, ein berühmter Shakespeare-Darsteller ("Hamlet"), Kriegsgefangener seit 1940. Regie: Wallace Finlayson. Das Theater selbst, untergebracht in einer Baracke, die immerhin 200 Zuschauern Platz bot, wurde mit Kostümen und Dekorationen von der Bayrischen Staatsoper München unterstützt. Sowohl die gefangenen Offiziere wie die deutschen Militärbehörden hielten das Eichstätter Theater »für eine gute Sache«. Ist es schon Tollheit, hat es doch Methode.

Von allen Arbeiten Cowards lässt sich Post Mortem allenfalls noch mit seinem Familiendrama Cavalcade vergleichen, das Coward im gleichen Jahr wie Post Mortemschrieb, 1930 nämlich. In Cavalcade betrachten die Figuren den Krieg – jeden Krieg! – mit gleicher Bitterkeit wie in diesem Stück, und dennoch ist der Gesamteindruck ein gänzlich anderer. In Cavalcade ist der Krieg Teil des menschlichen Elends, wird aber sozusagen aufgewogen durch Glück und Liebe, kleine Freuden, kleine Triumphe. Post Mortem lässt keine Ablenkung zu, alles dreht sich nur um die eine Frage: Warum und für wen? Noël Coward gibt hier wie da auf dieselbe Frage dieselbe Antwort: Würden nicht so viele Männer hingehen, gäbe es keinen Krieg.

Presse: 

The Independent: 
"[...] Coward produzierte das erfolgreichste Kriegsspiel des Jahrhunderts in Blithe Spirit, das einen weiteren Wiedergänger auf die Bühne bringt. Es war in Post-Mortem, dass er lernte, wie man es macht." 

Produktionen: 
  • UA: 06.10.1992, The King's Head Theatre, Londo
frei zur deutschsprachigen Erstaufführung
Autor(en): 
Besetzung:
5 Damen, 11 Herren
Komödie
Schauspiel