Suite in Three Keys

Suite in Three Keys
(Suite in Three Keys)

Informationen: 

Drei kurze Stücke von Noël Coward

Deutsch von Klaus Chatten

 

Darauf kannst du mich verlassen  (Come into the garden, Maud) Deutsch von 

Im Zwielicht (A Song at Twilight)

Terzett vor der Nacht (Shadows of the Evening)

 

 

Casting Informationen: 

1. Im Zwielicht (A Song at Twilight)

  • HUGO LATYMER
  • HILDE - Hugo Latymers Frau
  • CARLOTTA GRAY
  • FELIX - ein Kellner

 

2. Terzett vor der Nacht (Shadows of the Evening)

  • LINDA SAVIGNAC
  • ANNE HILGAY
  • GEORGE HILGAY
  • FELIX - ein Kellner

 

3. Darauf kannst du mich verlassen  (Come into the garden, Maud)

  • ANNA-MARY CONKLIN
  • VERNER CONKLIN
  • MAUD CARAGNANI
  • FELIX - ein Kellner
Synopsis:

Bei der Londoner Uraufführung der drei kleinen Komödien, die "Suite in Three Keys ausmachen" – "Im Zwielicht", "Terzett vor der Nacht" und "Darauf kannst du mich verlassen" – spielte Noël Coward die männliche Hauptrolle aller drei Einakter.

Er spielte Sir HUGO LATYMER, einen erfolgsverwöhnten Autor, GEORGE HILGAY, einen Londoner Verleger, der weiß, dass er nur noch kurze Zeit zu leben hat, und VERNER CONKLIN, einen amerikanischen Tycoon, dem man ein unmoralisches Angebot macht. Alle drei kurzen Stücke spielen (mit gleicher Besetzung) in derselben Dekoration: in einer Suite eines Schweizer Grandhotels mit Blick auf Genfer See und schneebedeckte Alpen. Und alle drei Geschichten sind in den Sechziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts angesiedelt, in einer uns schon erstaunlich fremd gewordenen Zeit ... Der Theaterabend vom 25. April 1966 wurde zu einem gewaltigen Erfolg. Trotz seiner sechsundsechzig Jahre und nach jahrzehntelangem Beifall für seine fünfzig Komödien, Operetten und Revuen war noch alles da, was die High Society von London und New York an Noël Coward immer entzückt hatte. Ein weiteres Mal erlebte man seinen weltläufigen Witz, seine verblüffenden Einfälle und seinen unvergleichlichen Stil bei allem, was er sagte und tat. Aber es kam noch etwas hinzu, was man so noch nie bei ihm erlebt hatte, nämlich Altersweisheit und Ehrlichkeit, Offenheit, was sein Liebesleben anging. Wer ihn kannte, wusste, dass er sich stets von Männern angezogen fühlte. Doch das war nie Thema der öffentlichen Diskussion gewesen, war nie gedruckt worden. A Song at Twilight (deutscher Titel: Duett im Zwielicht) war daher so etwas wie sein Coming-out.

Den Londoner Erfolg wollte Noël Coward im folgenden Jahr in New York wiederholen. Krankheit und Erschöpfung machten das unmöglich. So wurde Suite In Three Keys zu seiner Abschiedsvorstellung. (Aus sehr praktischen Gründen spielten die amerikanischen Theater jeweils pro Abend nur zwei der drei Stücke, mal Shadows of the Evening, mal Come Into the Garden, Maud, dazu aber immer A Song at Twilight. Folgerichtig nannten die Bühnen und Tourneeunternehmen diese Präsentationen Suite In Two Keys). In Song at Twilight (Duett im Zwielicht) geht es um Sir Hugo Latymer, seine deutsche Lebensgefährtin HILDA (halb Ehefrau, halb Sekretärin) und um die Schauspielerin CARLOTTA GRAY, seine frühere Geliebte. Sir Hugo, Mitte sechzig, ein sehr erfolgreicher Schriftsteller, hat sich in ein Genfer Luxushotel ›zurückgezogen‹, mithin in eine äußerst angenehme Bleibe. Eines Tages meldet sich Carlotta, besagte Schauspielerin und abgelegte Geliebte, und bittet, auf einen ›Sprung hereinschneien‹ zu dürfen. Sir Hugo weiß nicht, wie und warum er sie abwimmeln sollte. Carlotta kommt also, sieht immer noch blendend aus, und bald ist man bei einem kleinen Diner, wie es Sir Hugo und Carlotta auf dem Höhepunkt ihrer Beziehung gern zelebriert haben; ohne Hilda.

Witzige Bemerkungen gehen hin und her, auch Spitzen. Bald erkennt man, dass Carlotta eine bestimmte Absicht verfolgt. Nachdem Sir Hugo sie in seinen Memoiren als liebenswertes Dummchen porträtiert hat, möchte sie nun ihre Sicht der Dinge publik machen. Dazu würde sie gerne die Liebesbriefe verwenden, die er ihr seinerzeit geschrieben hat. Und da man schon beim Thema ist, bittet sie auch um ihre Briefe an ihn. Daraus entwickelt sich ein Katz- und Maus-Spiel, wobei Carlotta eindeutig die Katze ist. Nach einigem Hin und Her lehnt Latymer ihre Bitte ab. Nun wird aus dem Geplänkel eine elegante Erpressung. Carlotta offenbart, dass sie weitere Liebesbriefe besitzt – seine an PERRY SHELDON, einen Freund von ihm und ihr. Perry hat sie Carlotta vermacht, und sie denkt darüber nach, ob sie die Briefe einem amerikanischen Literaturprofessor zukommen lassen sollte, der ganz wild darauf ist, ein aufsehenerregendes Werk zu veröffentlichen: Hugo Latymer, wie ihn keiner kennt ... Hilda, die tapfere Ehefrau, erfährt bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal von einem Perry Sheldon und den Gefühlen ihres Mannes für ihn. Hugo hat ihr diesen Teil seiner Vergangenheit nie offenbart. Sie hält sich wacker – wahrscheinlich hat sie mehr geahnt, als sie wusste, und sie wusste genug. Schließlich war sie ja die eine Hälfte einer liebelosen Ehe. Zwischen den Zeilen lässt Coward viel von seinen eigenen lebenslangen Demütigungen und Verletzungen erkennen. Er für seinen Teil hat zwar nie ein Geheimnis aus seiner Homosexualität gemacht, hat sich nie hinter einer Frau versteckt. Doch die Gesellschaft hat ihm stets zu verstehen gegeben, dass seine Neigungen und sein Verhalten nur auf Widerruf toleriert werde! Der Text bietet darüber hinaus viele brillante Einfälle und witzige Dialoge. Und da sie sich mit überraschenden szenischen Wendungen zu einem amüsanten und stimmigen Ganzen zusammenfügen, wird Song At Twilight beziehungsweise Duett im Zwielicht auch diejenigen Zuschauer perfekt unterhalten, die sich weniger für Cowards ureigensten Angelegenheiten interessieren. 

Auch Shadows of the Evening wirft einen Blick auf Coward, wie man ihn so nicht kannte. Hier geht es buchstäblich um Leben und Tod.  GEORGE HILGAY, ein Londoner Verleger, hat sich in Lausanne einquartiert, um sich gründlich medizinisch untersuchen zu lassen respektive um die Ergebnisse dieser Untersuchung abzuwarten. Bei ihm ist LINDA SAVIGNAC, seine Seit-Jahren-Freundin. Für sie hat er damals seine Ehefrau und seine Kinder verlassen. Als Linda nun Anne, die Auf-dem-Papier-noch-Ehefrau, bittet, in die Schweiz zu kommen, weiß George, wie das Urteil der Ärzte ausgefallen ist. Wahrhaftig kommt Anne, und die beiden Frauen verständigen sich nun darüber, wie sie George die wenigen Monate, die ihm noch bleiben, erträglich machen können. Diese Verständigung kommt nicht so ohne Weiteres zustande. Wie viele Verletzungen haben sich die beiden Frauen im Kampf um den Mann zugefügt und was hat George sich und ihnen angetan! Es wird, natürlich in leichter Coward’scher Manier, eine Menge angedeutet, ehe man sich der Zukunft zuwenden kann. Der Dialog schwankt permanent zwischen Harmonie und Feindseligkeit. Die beiden Damen offenbaren bei der Konfrontation unerwartete Stärken und Schwächen; unerwartet von George und von ihnen selbst. Dieser akzeptiert sein Los und besteht auf einem eleganten Abgang. Religion und ihre Tröstungen lehnt er ab; Bäume sterben sozusagen aufrecht. Aber wie die Drei auch reden, ihr Autor wusste, was sie (wie wir alle) von sich fernhalten wollen. Er wusste, dass seine Figuren den Tod fürchten und die Einsamkeit davor und die Gespenster in der Dunkelheit. Coward’s Lösung ist trotz oder gerade wegen der Lacher und Tränen, die er dem Publikum auch in Shadows of the Evening beschert, wundervoll klar. Er sagt, man sollte sich würdevoll mit dem Schicksal abfinden, das einem bestimmt ist. Aus, nicht mehr, nicht weniger. Doch das Leben fordert auch von Cowards kernigsten Charakteren seinen Zoll. 

Das leichteste Stück in dieser Trilogie – offenbar als Kontrapunkt gedacht – ist Come into the Garden, Maud (deutscher Titel: Darauf kannst du mich verlassen). Man kann es als Vorspiel sehen oder als Dessert, es ist vor allem amüsant. VERNER CONKLIN, ein amerikanischer Großindustrieller, obszön reich, ist mit seiner auf gesellschaftliche Erfolge gierende Ehefrau ANNA-MARY in der Schweiz. Ihre Besessenheit, mit Namen zu glänzen und zu prunken, grenzt an Albernheit, ist jedenfalls schwer zu ertragen. Umgekehrt ist ihr Ehemann auch nicht die reine Freude. Der Kern der Geschichte: Als Anna-Mary dabei ist, ein weiteres Diner vorzubereiten (diesmal für einen antisemitischen Prinzen), wirkt Verner wieder einmal störend. Seine Frau verdonnert ihn dazu, in seiner Suite zu essen. Und damit das nicht so langweilig wirkt, billigt sie ihm die Gesellschaft von MAUD zu, einer sehr zweifelhaften italienischen Prinzessin. Mit dem Adel von Maud mag es nicht weit her sein, mit ihrem Charme und ihrer Lebenslust desto mehr. Es kommt, wie man es beim besten Willen nicht erwarten konnte, Maud überredet Verner aus seinem Leben auszubrechen. Die Beiden setzen sich auf der Stelle – also mitten in der Nacht – nach Rom ab. Verner Conklin hat seine humorlose Ehefrau lange genug ertragen und Noël Coward anscheinend auch. 

Produktionen: 
  • UA: 25. April 1966, Queen's Theatre London
  • DSE: 15. April 1967, Burgtheater, Wien
  • DE: 15. März 1975, Kammerspiele, Hamburg
Autor(en): 
Besetzung:
2 Damen, 2 Herren
Komödie
Schauspiel