Tonight at 8.30

Tonight at 8.30
(Tonight at 8.30)

Informationen: 

Neun Einakter (mit Musik), die an einem oder mehreren Abenden aufgeführt werden
Von Noël Coward

 

 

Casting Informationen: 

1. AUFRUHR DES HERZENS

  • CHRISTIAN FABER
  • BARBARA - seine Gattin
  • LEONORA VEIL
  • TIM VERNEY
  • SUSAN BIRCH
  • SIR REGINALD FRENCH
  • ERNEST

 

2. BAHNHOFSGESPRÄCHE

  • LAURA JESSON
  • MYRTLE BAGOT
  • BERYL WATERS
  • STANLEY
  • ALBERT GODBY
  • ALEC HARVEY
  • EIN JUNGER MANN
  • JOHNNIE MILDRED
  • DOLLY MESSITERS

 

3. FURNIERTE EICHE

  • HENRY GOW
  • DORIS - seine Frau
  • ELSIE - seine Tochter
  • MRS. ROCKETT - seine Schwiegermutter

 

4. FAMILIENALBUM

  • JASPER FEATHERWAYS
  • JANE - seine Frau
  • LAVINIA FEATHERWAYS
  • RICHARD FEATHERWAYS
  • HARRIET WINTER
  • CHARLES WINTER
  • EMILY VALANCE
  • EDWARD VALANCE
  • BURROWS

 

5. MITTEL UND WEGE

  • STELLA CARTWRIGHT
  • TOBY CARTWRIGHT
  • OLIVE LLOYD-RANSOME
  • LORD CHAPWORTH, a ka CHAPS
  • NANNY
  • MURDOCH
  • PRINZESSIN ELÈNA KRASSILOFF
  • GASTON

 

6. NUR EIN TANZ

  • LOUISE CHARTERIS
  • HUBERT CHARTERIS
  • KARL SANDYS
  • CLARA BETHEL
  • GEORGE DAVIES
  • EVA BLAKE
  • MAJOR BLAKE
  • IPPAGA

 

7. RED PEPPERS

  • GEORGE PEPPER
  • LILLY PEPPER
  • BERT BENTLEY
  • MR. EDWARDS
  • MABEL GRACE
  • ALF

 

8. SCHATTENSPIEL

  • VICTORIA GAYFORTH
  • SIMON GAYFORTH
  • MARTHA CUNNINGHAM
  • GEORGE CUNNINGHAM
  • LENA
  • SIBYL HESTON
  • MICHAEL DOYLE
  • EIN JUNGER MANN
  • HODGE - Ankleider

 

9. ÜBER DIE WELLEN DER SEE

  • PIGGIE - Lady Maureen
  • Commander PETER GILPIN - Royal Navy, ihre Ehemann
  • CLAIRE WEDDERBURN
  • Korvettenkapitän ALASTAIR CORBETT - Royal Navy
  • MAJOR GOSLING - Bogey
  • MR. WADHURST
  • MRS. WADHURST
  • MR. BURNHAM
  • WALTERS

 

Synopsis:

Tonight at 8:30, 1936 entstanden, war anfangs ein einzigartiges Theaterexperiment: An drei Abenden hintereinander wurden im National Theatre New York, einem Broadway-Theater, Einakter von Noël Coward geboten; anfangs pro Zyklus zehn, dann neun, schließlich acht kurze Stücke. Das Publikum wusste nicht im Voraus, was an einem bestimmten Abend kam und was weggelassen wurde. Selbst die beiden Protagonisten Noël Coward und Gertrude Lawrence überließen die Auswahl und die Reihenfolge weitgehend dem Zufall. Coward und Gertrude Lawrence, eine sehr vielseitige Schauspielerin und Entertainerin, waren sozusagen füreinander geschaffen. Als Schauspieler ergänzten sie sich auf wundervolle Weise und im realen Leben waren sie Freund und Freundin in jedem Sinn des Wortes, mit Ausnahme der sexuellen Bedeutung. Merkwürdigerweise ähnelten sich die beiden sogar wie Zwillinge. Nach dem Muster der ersten New Yorker Präsentation, die Stile und Motive der verschiedenen Einakter sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von handfesten Farcen über Ehekomödien bis hin zu Romanzen und bürgerlichen Dramen. Das Publikum wurde und wird mit Cowards »sophisticated comic touch« genau so unterhalten wie mit seinen scharfzüngigen Dialogen und seinem schnellen Witz. Immer wieder überrascht, dass auch die (damals) realen Probleme der englischen Ober- und Mittelklasse zur Sprache kommen. Die meisten der ursprünglichen zehn Stücke gehören zu den besten short plays, die je in englischer Sprache geschrieben worden sind. Nicht zufällig wurde eine Reihe von ihnen verfilmt.

Am bekanntesten von allen zehn Einaktern dürfte Still Life, auf deutsch  BAHNHOFSGESPRÄCHE, EIN STÜCK IN 5 SZENEN, sein. Es dauert etwa eine halbe Stunde und besteht im Wesentlichen aus verbotener Liebe und schmerzlichen Gefühlen. Der Inhalt: Laura Jesson ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sie ist eine ganz normale Hausfrau, die einmal in der Woche in die Stadt fährt, um einzukaufen und ins Kino zu gehen. Bei einer dieser Fahrten lernt sie im Wartesaal des Bahnhofs den Arzt Dr. Alec Harvey kennen. Auch er ist verheiratet und hat ebenfalls Kinder. Beide treffen sich nun regelmäßig einmal in der Woche im Wartesaal, trinken Tee und reden miteinander. Sie spüren, dass sie füreinander bestimmt sind, aber wagen sich das nicht einzugestehen. Die Liebenden werden von zwei anderen Paaren beobachtet, von Myrtle, die das Bahnhofsrestaurant schmeißt, und ihrem Stationsvorstand Albert und der jungen Kellnerin Beryl, die gern etwas mit dem ›Shopboy‹ Stanley hätte. Für sie sind Laura Jesson und Dr. Alec nur Romeo und Julia. Selbst sie erkennen, dass die schüchternen Versuche der Liebenden, zusammen zu kommen, zu nichts führen. Als auch denen klar wird, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat, wenn sie ihre Familien nicht zerstören wollen, entschließen sie sich zur Trennung. Ein letztes Mal treffen sie sich am Bahnhof. Doch sie werden von einer geschwätzigen Freundin gestört, kommen also nicht einmal dazu, die richtigen Abschiedsworte zu sagen. Vielleicht ist auch schon alles gesagt. Schon vorher flüstert Laura: »I want to die! If only I could die!«  Alec erwidert darauf in Coward-Manier, ebenso überraschend wie egoistisch: »If you died, you'd forget me. I want to be remembered.« Die Geschichte wurde 1945 unter dem Titel Brief Encounter vom Meister-Regisseur David Lean verfilmt und gilt heute als ein Juwel der Filmkunst; Drehbuch:  Coward und David Lean.  

The Astonished Heart (Aufruhr des Herzens) hat einen typischen Howard-Plot: Die alten Freundinnen Barbara und Leonora treffen sich zufällig, nachdem sie sich über viele Jahre aus den Augen verloren haben. Barbara lädt die wiedergefundene Freundin für einige Tage in ihr Haus ein, und bei der Gelegenheit lernt Leonora auch Chris, den Ehemann kennen, einen asketisch-nüchternen Psychologen. Die Beiden haben anfangs Mühe, es miteinander auszuhalten. Doch dann muss Barbara kurzzeitig verreisen, um bei ihrer Mutter nach dem Rechten zu sehen. Die beiden Zurückbleibenden lernen sich nun gründlich kennen, sehr gründlich sogar ...

Family Album (Familienalbum): Der nicht über die Maßen geliebte Familienpatriarch ist gestorben; die Trauergesellschaft ergeht sich in viktorianischer Heuchelei. Eine Idee zu einem Stück, die schon manche hatten. Aber Coward behandelt das Thema auf seine Art. Wo findet man in einer Satire Sätze wie diese: May our touch of life be lighter / Than a seabird's feather / May all sorrows as we pass / Politely step aside?

Hands Across the Sea (Über die Wellen der See) ist eine Salon-Komödie, in der die Heldin mit Hilfe des Telefons regelrechtes Chaos erzeugt. Dadurch treffen die falschen Gäste ein und aufeinander und haben nun Gelegenheit, den Charme und die Leichtigkeit der High-Society vorzuführen. Es wirken mit: Lady Maureen Gilpin (genannt ›Piggy‹), Comdr. Peter Gilpin, Royal Navy (RN), Lt. Com. Alastair Corbett, RN, Mrs. Wadhurst, Mr. Wadhurst, Mr. Burnham, The Hon. Clare Wedderburn, Major Gosling (›Bogey‹), Walters. Noch Fragen?

Fumed Oak (Furnierte Eiche)– sozusagen die allererste Fassung seines großen Stückes Happy Breed. Henry Gow, der Held der Geschichte, ist ein geduldiger, freundlicher, einigermaßen verdienender Ernährer einer Mittelstandsfamilie. Er hat die Launen seiner dominierenden Frau (›a hurrican wife‹), ihrer gehässigen Mutter und seiner hochnäsigen siebzehnjährigen Tochter auszuhalten. Am Ende befreit er sich durch einen wohlüberlegten Abschied aus dem trauten Heim, das vollgestellt ist mit ›furnierter Eiche‹, wie der deutsche Fachausdruck dafür lautet. Im Englischen eben: Fumed oak. Seine Abschiedsworte zu seiner sich selbst bemitleidenden Familie: »I'm taking a last look at you. It's a dream come true.« (Nach allen Kritiken wurde dieser Henry Gow von Noël Coward erstaunlich überzeugend verkörpert – wahrscheinlich hatte er seinen eigenen Vater vor Augen, der beim Verkauf von Klavieren gescheitert war. Auch die übrigen Figuren entsprechen seinen Verwandten.)

We Were Dancing (Nur ein Tanz) beginnt als Romanze und endet als Satire auf die Liebe auf den ersten Blick. Karl Sandys gibt sich anfangs ganz dem Zauber des Augenblicks hin, und der besteht darin, dass er mit einer entzückenden verheirateten Frau tanzt. Ihr Name: Louise Charteris. In der 2. Szene (alles spielt an einem Abend) tritt ihr Ehemann, das scheinbare Hindernis auf dem Weg zum vollständigen Glück, verständnisvoll zur Seite. Und doch scheitert die große Liebe; in diesem Fall an der Schwierigkeit, einen Geschäftspartner in Australien aufzusuchen, den Karl unbedingt sprechen muss. Louise, die sich in der ersten Szene ganz ihrem schönen Gefühl hingibt (und auf der Stelle bereit ist, ihren Ehemann aufzugeben, mit dem sie seit dreizehn Jahren verheiratet ist), für diese Louise gibt es keinen höheren Wert, als ihre Reputation in der Gesellschaft. Mit dem Ehepaar MacVities, das ebenfalls nach Australien aufbrechen will, kann sie nicht auf einem Dampfer reisen. Nein, unmöglich, mit diesen Menschen in Sichtweite kann Louise nicht ›in Sünde‹ reisen! Der Moment, in dem alles möglich gewesen wäre, geht vorbei – wie fast alle solche Momente in Cowards Stücken. Aber er geht nicht vorbei, ehe nicht ein Mondlicht-Song gesungen wurde: Life needn't be gray, / Although it's changing day by day, / Though a few old dreams may decay, / Play, orchestra, play.

Shadow Play (Schattenspiel): Wieder geht es um Ehe und Ehescheidung. Ein Mayfair-Paar passt nicht zueinander, man kann sich aber auch nicht trennen. Diesmal packt Coward das Thema – für seine Verhältnisse – erstaunlich ernsthaft an. Es gibt zum Beispiel eine Traumsequenz (hervorgerufen durch eine Überdosis Schlaftabletten), in der man den romantischen Anfang der Beziehung, aber auch eine wirkliche Ehe-Krise in Kurzform erlebt. Am Ende bleibt man zusammen. In Kritiken wurde Shadow Play als »a surreal and fluid vision of life as a dark musical comedy« beschrieben und der berühmte Kritiker Kenneth Tynan bezeichnete Coward deswegen als einen Vorläufer von Harold Pinter. Der Ton dieses Stückes wird nicht so ohne weiteres als Coward-Ton ausgemacht und bezeichnen­derweise kommt Shadow Play in den verschiedenen Aufführungs­zyklen weniger oft vor.

Red Peppers: Schauplatz eine Vorstadt-Music-Hall. Die beiden (mit dem Mund sehr fixen) Stars der Show – ein Ehepaar –können sich kaum noch ertragen, stehen kurz vor der Trennung, aber vorher fliegen die Fetzen. Red Peppers hat relative wenig Handlung, aber sehr genau beobachtete und scharf gezeichnete Figuren. In jedem Satz ist zu spüren, dass Coward das Milieu aufs Beste kennt.

Ways and Means (Mittel und Wege) spielt an der Cote d’Azur, genau genommen im Schlafzimmer einer Villa mit Meerblick. Vorwiegend hier halten sich die reiche Erbin Stella Cartwright und ihr beim Glückspiel vorwiegend verlierender Ehemann Toby auf. Sie sind von Schulden und anderen finanziellen Unglücken (Schuldner können und wollen nicht zahlen und so weiter) geplagt. Es geht wirklich alles schief. Dann steht ihre Ehre, was meint ihre Kreditfähigkeit, auf dem Spiel, als Steve, ihr ehemaliger, nun arbeitsloser Chauffeur sie ausrauben will. Er fesselt sie, bindet sie an Stühlen fest. Als er jedoch die Juwelen von Madame an sich nehmen will, stellt sich heraus, dass sie keine mehr hat. Stella erkennt, dass ihr der an und für sich recht sympathische Steve noch sehr nützlich werden könnte. Womöglich kann er sie aus ihren Miseren befreien ...

Star Chamber, der letzte der ursprünglichen zehn Einakter, ist ein satirisches Porträt eines Wohltätigkeitskomitees, womöglich aller Wohltätigkeitskomitees.  Hier versammelt Coward seine Schauspieler um einen runden Tisch und lässt sie reden. Coward war mit dem Effekt nicht zufrieden; nach einmaliger Aufführung wurde Star Chamber verbannt und danach bis auf den heutigen Tag nur noch selten aufgeführt.

Presse: 

The New-York Post, Elisabeth Vincentelli, 28.09.2010: 
"Die brillante Inszenierung von Brief Encounter, die gestern Abend am Broadway eröffnet wurde, sollte alle außer dem sauersten Kater wieder an Romantik glauben lassen. Es ist eine temperamentvolle Charmeoffensive, der man einfach nicht widerstehen kann...."

The New York Times, Bren Bratley, 28.09.2010: 
"Der Film behält eine hingebungsvolle Anhängerschaft, obwohl die Leute heute dazu neigen, schüchtern auszusehen, wenn sie ihre Zuneigung dazu bekennen, wie jemand, der ein Verlangen nach einem besonders klebrigen, im Laden gekauften englischen Pudding zugibt. Jetzt haben Frau Rice und ihre wunderbare Gesellschaft es möglich gemacht, Brief Encounter wieder mit Gefühl und ohne Ironie und Verlegenheit anzunehmen. Mit den Mitteln von Music Hall, klassischer britischer Pantomime und Story-Theater - plus ein bisschen Trompe-l'oeil-Technologie, über Filmprojektionen - lässt diese Produktion das Publikum einen vertrauten Film mit jungfräulichen Augen sehen und, ja, sich immer wieder in ihn verlieben."

TheaterMania, David Finkle, 29.09.2010:
"Unter der augenzwinkernden und doch geradlinigen Regie von Emma Rice verspottet das Unternehmen gleichzeitig und nahtlos das Ausgangsmaterial teuflisch, ehrt es aber auch von ganzem Herzen. Das Ergebnis ist nicht nur ein bravouröses Statement über die schwindelerregende, schwierige Natur von Liebe und Loyalität, sondern eine echte, einzigartige Unterhaltung, die es den Schauspielern auf der Bühne gelegentlich erlaubt, durch eine Leinwand zu laufen, um in gefilmten Szenen überlebensgroß wieder aufzutauchen, und mehr als genug Coward-Songs, um das Stück in eine ganz andere Art von musikalischer Komödie zu verwandeln".

Shaw Festival Theatre 2010 Saison:
"Ein einmaliges Ereignis!"

Jackie Maxwell:
"Musik spielt eine sehr wichtige Rolle in so vielen Stücken von Noël Coward, und während Sie sich dessen in vielen Stücken in Tonight um 8:30 Uhr bewusst sind, beginnt und endet dieses Trio mit zwei seiner reizvollsten echten Musicals - eine perfekte Ergänzung für den Royal George."

Curtains Up Review, 2000:
"Ob „Tonight at 8:30 Uhr“ Erinnerungen weckt, oder eine Ära und einen Stil zum Leben erweckt, von dem Sie nur gehört haben, es wird Sie zweifellos mit einem leichten Schritt aus dem Adams Memorial Theatre stolpern lassen."

Produktionen: 
  • UA: 24. 11.1936, National Theatre, New York
  • 2000, Williamstown Theatre Festival, Adams Memorial Theatre, Williamstown, MA
  • 01.08.2010, Shaw Festival Theatre, Niagara-on-the-lake, Ontario, Canada
  • 28.09.2010, Studio 54, A Kneehigh Theatre Creation, Broadway, New-York
  • 26.04.2018, Jermyn Street Theatre, London
frei zur deutschsprachigen Erstaufführung
Autor(en): 
Besetzung:
3 Damen, 6 Herren
Komödie
Schauspiel